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Reviews

Supertramp

Crime of the Century


Info

Musikrichtung: Art-Rock

VÖ: 1974

(A & M)

Gesamtspielzeit: 44:16

Internet:

www.supertramp.com

Eine einsame Mundharmonika erinnert von ferne an Ennio Morricones Italo-Western-Soundtrack “Spiel mir das Lied vom Tod“. Dann hellen eine leise perlende Gitarre, ein verhaltenes Saxophon und eine immer noch recht melancholische Stimme das Bild leicht auf. Ein Piano mischt sich ein - und erst nach knapp zwei Minuten gibt es den ersten Ausbruch einer größeren Lebendigkeit - bezeichnender Weise mit der Textzeile „After School is over you’re playing in the Park“.

So beginnt eine der grandiosesten Rock/Pop-LPs aller Zeiten - mit einem der großartigsten Stücke, die eine der unterschätztesten Prog-/ Art-Rock- oder Was-auch-immer-Bands im anspruchsvollen Graubereich zwischen Rock und Pop je aufgenommen hat. Das Keyboard-Solo im Mittelteil und vor allem das anschließende Duell zwischen den Sängern Rick Davies und Roger Hodgson, dem Piano und den Gitarren gehören zu den Sternstunden der Musikgeschichte.

Nach weiteren sieben Stücken und insgesamt 45 Minuten Spielzeit muss der erschlagene, erstaunte, erstarrte, begeisterte, …. Hörer zugeben: Die Band konnte im Verlauf der CD mit dem Überhammer “School noch mindestens drei Mal gleich ziehen (“Bloody well right”,“Dreamer”, “Rudy”) und ihn einmal sogar noch toppen. Der Siebenminüter “Hide in your Shell” überbietet die Fantasie und Energie, den Abwechslungsreichtum und das interpretative Engagement des Openers noch einmal deutlich.

Obwohl es bereits vorher zwei Scheiben unter diesem Namen gab, gilt Crime of the Century für mich bis heute als das eigentliche Debüt von Supertramp. Die beiden Vorläufer sind (ähnlich wie die Debüts von Barclay James Harvest und Genesis) noch tief in der Musik der 60er verwurzelt und pendeln zwischen Beat und Blues hin und her. Der direkte Vorgänger, Indelibly stamped, liefert allerdings schon erkennbare Hinweise in die Richtung von Crime of the Century (“Coming home to see you”, “Friend in need”).

Was dann vor genau 30 Jahren auf den Markt kam, war dann aber mehr als ein Quantensprung und der absolute Höhepunkt einer Band, die in ihrer Geschichte mindestens drei 20-Punkte-Alben veröffentlicht hat (Crime of the Century, Even in the quietest Moments... und Breakfast in America). Leider wird der Band die Anerkennung oft verwehrt. Den Prog-Gelehrten sind die Kompositionen oft zu eingängig, so dass sie die Band in die Niederungen des gemeinen Pops verbannen. Während sich die Quotenjäger, die dort für die Ehrungen zuständig sind, an den für’s Mainstream-Radio dann doch oft zu sperrigen Kompositionen stoßen. (Dass Supertramp es dennoch mit einigen Tracks in den Olymp des ewigen Airplays geschafft haben, dürfte kaum jemanden verborgen bleiben.)

Das Geheimnis der Band lässt sich, wie bei fast allen Bands, die „Magie“ haben, kaum in Worte fassen. Sicherlich spielen die charismatischen Stimmen der beiden Sänger eine wichtige Rolle. Vor allem aber ist es ein überwältigendes Gefühl für Kompositionen und Arrangements. Eingängige Hooklines prägen Refrains mit einem extrem hohen Wiedererkennungswert. Und fast alle Instrumente, Gitarren, Piano und Saxophon zuvorderst werden genutzt um immer wieder überraschende Verzierungen und bereichernde Facetten einzubauen. Dabei benötigt die Band oft nicht viel, um ihre Hörer zu fesseln. Oft genügen ein paar wie aus dem Handgelenk eingespielte Drum-Beats, um eine ungeahnte Dramatik aufzubauen.

Solch gekonnt eingesetzte Selbstbeschränkung auf das Wesentliche ermöglicht es der Band dann auch immer wieder, nur mit der kraftvoller werdenden Stimme Höhepunkte zu setzen, die bei Dramatik-Spezialisten wie Rhapsody kaum mehr möglich sind, weil die sich die Chance dazu mit den permanenten Über-Arrangements immer wieder selbst verschütten. Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen: Supertramp ist keine Band der neuen Schüchternheit, die sich in den letzten Jahren ja großer Beliebtheit erfreut. Die Band feuert gern mal aus allen Rohren, gibt Vollgas, rotzt los und setzt alles eine, was da ist (“Rudy“, „Hide in your Shell“). Aber das wird überlegt und punktuell eingesetzt, nicht so - um noch mal den Vergleich mit unseren italienischen Zeitgenossen zu wagen, dass man die Berge vor lauter Gipfelkreuzen nicht mehr sieht.

Um meine Wertschätzung noch mal auf den Punkt zu bringen: Wenn ich zwischen dieser CD und meiner kompletten Dream Theater-Sammlung wählen müsste, täte es mir zwar leid um die Scheiben der New Yorker, aber …



Norbert von Fransecky

Trackliste

1School5:35
2Bloody well right4:26
3Hide in your Shell6:52
4Asylum6:30
5Dreamer3:30
6Rudy7:07
7If everyone was listening4:05
8Crime of the Century5:20

Besetzung

Bob C. Benberg (Dr, Perc)
Roger Hodgson (Voc, Git, Piano)
John Anthony Helliwell (Sax, Klarinette, Voc)
Dougie Thomson (B)
Richard Davies (Voc, Keys, Harmonika)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger