Musik an sich


Reviews
Chamber - L'Orchestre De Chambre Noir

Ghost Stories And Fairy-Tales


Info
Musikrichtung: dunkle Kammermusik

VÖ: 22.08.2003

(Sad Eyes / EFA)

Internet:

www.lorchestredechambrenoir.de



Jahrmarkt der Gefühle

Geht man nach dem üblichen Spruch, dass das dritte Album einer Band das wichtigste ist, da sich dann erweist, ob sie sich nur selbst kopiert und keine neue Ideen hat, so sieht die Zukunft von Chamber mehr als gut aus.

Ghost Stories And Fairy-Tales, das aktuelle Oeuvre der dunklen Klassiker, zeigt sich ungemein abwechslungsreich und vielseitig – Schubladendenker seien hiermit vorgewarnt. Diese Platte müsste alle begeistern, die bei Gitarre, Cello, Geige et cetera keinen Ausschlag bekommen und mit einem der Begriffe (Neo)Klassik, Pop, Rock, Folk, Emotion etwas anfangen können.

Entrée – The Elven King öffnet rhythmisch die Pforten und man taucht ein in die Welt der phantastischen Geschichten und Gefühle. Eine Welt, in der jede Tat einen bittersüßen Beigeschmack hat, alles einen Schatten wirft und Äpfel alle eine vergiftete Hälfte haben dürften – mindestens jedoch einen dicken, fetten Wurm. A Dead Man’s Song erzählt die tragische Geschichte eines toten Schreiberlings, der noch immer dem ultimativen Song hinterherjagt, sich den Lebenden aber nicht mehr mitteilen kann. Mit The Paper-Hearted Ghost geht es musikalisch etwas zurückhaltender weiter, textlich seziert man eine in die Brüche gegangene Beziehung, A Tale Of Real Love schildert das Zerbrechen einer Liebe, von der man trotzdem nicht loskommt, musikalisch eingängig-süßlich umgesetzt, der Refrain nistet sich im Kopf ein, man summt ihn noch Stunden später vor sich hin. Um die grüne Fee im Garten des Künstlers geht es in In My Garden, hier wartet Chamber sogar mit einer singenden Säge auf und fügen eine mystisch-gruselige Note hinzu. Schlagwerk gesellt sich bei I’m Invisible dazu, wird jedoch nicht zum bestimmendem Element sondern bleibt im Hintergrund. Es verleiht dem Song eine Art Motor, da er dadurch etwas getriebener klingt. Silence – Release handelt vom Selbstmord einer Stimmen hörenden Künstlerin, respektvoll und zurückhaltend orchestriert umgesetzt. Die erste Hälfte der CD ist vom ‚typischen’ Chamberklang geprägt, also relaztiv klassischer Orchestrierung. Mit Hometown schleicht sich ein luprnreines Irish-Folk Stück ein, textlixh eine Hommage an eben die Heimststadt. Als Sisters Of Mercy – Goth Rock angehauchtes Stück entpuppt sich Heart Of Stone, kein Rolling Stones-Cover, wie ich beim Lesen der Titel zuerst annahm, sondern eine Eigenkomposition. Schon die erste Zeile, „Where’s a the love gone“ lässt Schauer über den Rücken laufen, das Lied, das mir am meisten unter die Haut geht. The Truth About Snow-White erzählt die wahre, nicht ganz jugendfreie Geschichte von Schneewittchen; Griegs Bergkönig schaut auch mal kurz vorbei. Little Devil wird in die nächste Duden-Ausgabe aufgenommen und dient zur Verdeutlichung des Begriffs ‚Crossover’: Chamber rocken, und zwar richtig! Vergesst die Hellacopters und wie sie alle heißen: Chamber haben den Rock’n’Roll neu erfunden! Das muss ja mal gesagt werden! Geil, geil, geil. Shall I Fall erscheint daraufhin beinahe als schwere Kost, als grobe Referenz, da Wechselgesang, dient „Where The Wild Roses Grow“ von Nick Cave & Kylie Minogue; Shall I Fall ist jedoch zurückhaltender arrangiert, Klavier und Streicher tragen es. Wer sich das Album aneignen mag, sollte sich die Mühe machen und mehrere Geschäfte abklappern; vielleicht hat er Glück und findet noch eine CD der limitierten Version. Diese besticht durch ein hübsch illustruiertes, aufklappbares Digipak in (DRK-)Kreuzform, welches den CD-Genuß noch weiter steigert.



Sascha Christ



Trackliste
1Entrée – The Elven King3:15
2A Dead Man’s Song5:07
3The Paper-Hearted Ghost3:16
4A Tale Of Real Love5:00
5In My Garden4:27
6Invisible4:43
7Silence – Release3:40
8Hometown2:47
9Heart Of Stone4:30
10The Truth About Snow-White4:02
11Little Devil3:15
12Shall I Fall4:41
Besetzung

Natalie Eis: Double Bass; Piano; Vocals
Frauke Dennerlein: 5-string Violin; Vocals
Tina Kögel: Violin
Elisabeth Kranich: Violin; Vocals
Katharina Kranich: Cello; Vocals
Robin Hoffmann: Guitars; Vocals
Marcus Testory: Vocals; Guitars


ASP: Vocals
Oliver Himmighoffen: Percussion
Matthias Ambré: Guitars


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