Musik an sich


Reviews
Nirvana

Nevermind (20th Anniversary – De Luxe Edition DOCD)


Info
Musikrichtung: Grunge

VÖ: 23.09.2011

(Universal Records)

Internet:

http://www.nirvana.com


Den Re-Release eines Albums zu bewerten, welches zu den Meilensteinen der Rockmusik gezählt wird und regelmäßig mindestens in den Top 5 irgendwelcher „Die besten Alben aller Zeiten“ kommt ist ziemlich schwierig. Vor allem, wenn erschwerend dazu kommt, dass man selber den Status des Albums als ein wenig überbewertet empfindet..
Als Nevermind 1991 erschien, waren die Charts von Techno und eher elektronischem Plastikpop beherrscht und da schlug dieses eher krass klingende Grunge Album ein wie ein Torpedo. Allerdings war es im Grunde ja nur die Speerspitze einer ca. 3 Jahre alten Untergrundmusik. Rückblickend wird auch klar, wie groß der Anteil von Butch Vig als Produzent des Albums war. Dieser schliff die rohen Diamanten der Band wie Smells like Teen Spirit“, „Come as you are“, „Lithium“ oder “Stay Away“ kräftig die Kanten ab, packte sie in eine kraftvolle, aber an sich ohrenfreundliche Produktion und ebnete dem Album den Weg in den Mainstream und somit zum Millionenseller, der noch einige ähnlich gelagerte Bands nach sich zog und wieder für erdigere Musik in den Charts sorgte. Ähnlich wie der Punk nicht einmal 15 Jahre zuvor.
Und somit schufen Cobain und Co mit Nevermind nicht nur die Krone, sondern gleichzeitig auch den Sargdeckel für den Grunge.
Der (Hit)Torpedo explodierte noch im Bug des Zerstörers Grunge, und somit versank dieser ähnlich schnell, wie er aufgetaucht war. Jedoch nicht ohne noch weitere gute, aber immer poppigeren Alben (insbesondere die durchaus beachtenswerten ersten beiden Alben von Butch Vig´s eigener Band Garbage) im Strudel seines Sinkens auszuspeien.
Im musikhistorischen Kontext bleibt der Wert des Albums trotzdem nicht hoch genug zu bewerten. Dementsprechend ist dem hier vorliegenden Remaster des Originalalbums natürlich seine musikalische und produktionstechnische Qualität auch heute noch zuzusprechen.
Nun kommt dieses Album also remastered, wie es heute so üblich ist, in vielen unterschiedlichen Formaten heraus:

- Super Deluxe Version (4CD plus DVD)
- Deluxe Version (DOCD)
- Standard Remastered CD ohne Bonus Tracks
- 4 LP Vinyl Box.

In der erstgenannten Version bekommt der Fan neben dem remasterten Album die Vollbedienung: Studio & Live B-Seiten der verschiedenen Singleveröffentlichungen, Demo-Aufnahmen zum Album, Akustikversionen, Boomboxaufnahmen der Proben im Studio und die kompletten sogenannten Devonshire Mixe, welche die erste produzierte Version durch Butch Vig war.
Anschließend schliff er das Ganze noch stärker auf Hörfreundlichkeit die zum finalen Hitalbum führte. Die zweite Version, welche mir hier auch vorliegt, bietet einen Auszug des oben genannten Material, heruntergebrochen auf eben 2 CD´s, ebenso wie die 4 LP Box.
Die mitgelieferten Tracks bestätigen in erster Linie meine oben dargestellte Sicht der Dinge. Nirvana waren an sich eine raue und ungeschliffene und vor allem ungezügelte Band. Butch Vig verstand es, dies zu kanalisieren und daraus dieses Werk zu fertigen. Die mitgelieferten, klanglich gut aufpolierten Ur- und Liveversionen zeichnen ein wesentlich kantigeres Bild der Band, ihr wohl an sich wirkliches Gesicht.
Kommen wir zur abschließenden Bewertung dieses Re-Releases:
Die Nachlassverwalter der Band haben auf jeden Fall nicht mit Material gegeizt und liefern dem Fan das Rundum-Sorglospaket. Auch ist es, wie gesagt, durchaus sehr interessant, die eine oder andere Entwicklung der Songs nachzuverfolgen.
Ob das Ganze auf der anderen Seite unbedingt veröffentlicht werden musste oder doch nur reine Geldschneiderei ist, muss sich jeder für sich selbst entscheiden. Die Standardversion bietet dem Besitzer des Originals jedenfalls nicht viel, denn ein großer Klangunterschied fällt mir nicht auf.
Der Hardcorefan wird sowieso die Box und zusätzlich die Vinyls haben wollen, dem Normalfan und Neuinteressierten hingegen würde ich die 2CD Version empfehlen, die eigentlich genügend Eindrücke zum Album vermittelt.



Wolfgang Kabsch



Trackliste
Disk: 1
1. Smells Like Teen
2. In Bloom
3. Come As You
4. Breed
5. Lithium
6. Polly
7. Territorial Pissings
8. Drain You
9. Lounge Act
10. Stay Away
11. On A Plain
12. Something In The Way / Endless, Nameless
13. Even In His Youth
14. Aneurysm
15. Curmudgeon
16. D-7
17. Been A Son
18. School
19. Drain You
20. Sliver
21. Polly

Disk: 2

1. In Bloom
2. Immodium (Breed)
3. Lithium
4. Polly
5. Pay To Play
6. Here She Comes Now
7. Dive
8. Sappy
9. Smells Like Teen Spirit
10. Verse Chorus Verse
11. Territorial Pissings
12. Lounge Act
13. Come As You Are
14. Old Age
15. Something In The Way
16. On A Plain
17. Drain You
18. Something In The Way
Besetzung

Gesang, Gitarre: Kurt Cobain
Bass Krist Novoselić
Schlagzeug, Gesang: Dave Grohl
Gitarre: Pat Smear


 << 
Zurück zur Review-Übersicht
 >>