Musik an sich


Reviews
Nick Cave & The Bad Seeds

Skeleton Tree


Info
Musikrichtung: Alternative Rock, Singer/Songwriter

VÖ: 09.09.2016

(Bad Seed Ltd. / Rough Trade)

Gesamtspielzeit: 39:50

Internet:

http://www.nickcave.com
https://www.facebook.com/nickcaveandthebadseeds


Mit Push The Sky Away läutete Nick Cave vor drei Jahren eine Art Alterswerk ein. Ein anfangs unauffälliges Album das wuchs und wuchs, aber seine Band The Bads Seeds in einem neuen, elegant-düsteren Sound präsentierte. Skeleton Tree klingt in erster Linie wie eine schlüssige Fortsetzung dazu.

Aber nur in erster Linie. Denn unter den düsteren, oft von Loops und Keyboardflächen getragenen Songs schlummert etwas: und zwar ein gebrochener und äußerst betrübter Mann. Im letzten Jahr starb Nick Caves 15-jähriger Sohn Arthur und es wäre ein Wunder gewesen, wäre dieser Schicksalsschlag spurlos an dem gebürtigen Australier vorbei gegangen.

Die Texte der Platte sind schon fast erschreckend ehrlich und persönlich. Da wo früher Zynismus und Metaphern an der Tagesordnung waren, wird Cave nicht selten äußerst direkt. Selbst wenn sich die Lieder nicht immer explizit auf dieses Ereignis beziehen, ist es doch stets präsent - und sei es auch nur mit der einen oder anderen Textzeile. Das ist manchmal schwer verdaulich, bringt einen aber näher an die sonst unnahbare Person Nick Cave heran.

Die Musik: erwartbar düster. Sie trägt die eindeutige Handschrift von Klangmagier Warren Ellis, der wohl mehr denn je die Führung übernahm. Die ersten Songs spielen auch - wie schon öfter auf dem Vorgänger angedeutet - jenseits klassischen Songwritings. Das klingt oft großartig und sehr stimmig wie bei der Eröffnung „Jesus Alone“ oder „Girl In Amber“. Kann aber auch etwas Stirnrunzeln wie beim lakonischen „Magneto“ hervorrufen. In der zweiten Hälfte wird es wieder etwas zugänglicher. Die Schlüsselnummer „I Need You“ klingt trotz ihres Inhalts regelrecht schön. Ähnliches gilt für das Abschiedslied „Distant Sky“. Man sollte sich hier aber nicht von den hellen Tönen täuschen lassen, wirkt das Ganze in Zusammenhang mit dem Text doch recht bedrückend.

Skeleton Tree ist definitiv anders als seine Vorgänger. Düster und bedrohlich waren auch diese immer wieder. Aber selten so unverschlüsselt persönlich und mit Absicht gesanglich unfertig und authentisch. Irgendwie faszinierend und abstoßend zu gleich. In musikalischer Hinsicht über weite Strecken aber echte Kunst.



Mario Karl



Trackliste
1Jesus Alone5:53
2 Rings Of Saturn3:29
3 Girl In Amber4:52
4 Magneto5:23
5 Anthrocene4:35
6 I Need You5:59
7 Distant Sky5:37
8 Skeleton Tree4:02
Besetzung

Nick Cave: vocals, piano, vibraphone, synthesizer, backing vocals
Warren Ellis: synthesizer, loops, piano, Wurlitzer, violin, baritone tenor guitar, backing vocals
Jim Sclavunos: vibraphone, tubular bells, percussion, backing vocals
George Vjestica: guitar, backing vocals
Martyn Casey: bass
Thomas Wydler: drums


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