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Sugarhill Gang

Rapper’s Delights


Info
Musikrichtung: Rap / HipHop

VÖ: 07.04.2005

(Castle / Zomba)

Gesamtspielzeit: 156:58


„What you hear is not a test. I’m rapping to the Beat.” heißt es am Anfang von ”Rapper’s Delight”. 1979 war das eine durchaus notwendige Ansage. “Rapper’s Delight“ dürfte der Startschuss für alle Arten von Rap und anverwandtem Sprechgesang sein, der in den letzten 25 Jahren den Äther verseucht hat. Einfach auf die Beats zu quatschen – das hatte es bislang so nicht gegeben.

Grauenhaft nervig fand ich das Teil damals, das sämtliche Discotheken- und Fetenabende fast zwangsläufig verschönte. Gut 15 Jahre später habe ich mir auf dem Trödel dann doch die Single gekauft – und fand’s cool. An das Gequatsche hat man sich gewöhnt. Das nervte nicht mehr und der Rhythmus packt einen direkt im Stammhirn. Das hatte ich übrigens von Anfang an bemerkt. Zu meinem Ärger holte mich dieses Stück, das ich ja eigentlich ätzend fand, in schöner Regelmäßigkeit auf die Tanzfläche.

Zum 20. Jubiläum des Klassikers hatten Castle diese Doppel-CD auf den Markt geschmissen, die jetzt neu veröffentlicht wird – offenbar als Teil einer Serie namens Back to the old School. Trotz meiner verschwundenen Aversion gegen ”Rapper’s Delight” sah ich etwas skeptisch auf eine geballte Ladung von gut zweieinhalb Stunden Rap, die nun vor mir lag.

Teilweise wurden meine Bedenken bestätigt, teilweise lösten sie sich in Luft auf. Es gibt natürlich ein Menge HipHop-Songs in der Tradition von ”Rapper’s Delight”; keiner von ihnen erreicht das Niveau von des Top-Hits, einige packen einen aber dennoch, andere sorgen dafür, dass man immer wieder kurz davor ist, die Skip-Taste zu drücken.
Neben echten Hiphop-Songs gibt es aber auch etliche Songs, bei denen die Raps vor klassischem Soul aufgeführt werden, oder sogar Soul-Nummern, die völlig auf Raps verzichten. Letztlich macht die Sugarhill Gang damit eins deutlich, was man heute gerne vergisst, dass die HipHoper und Rapper Fleisch vom schwarzen Fleisch des Soul-Man sind. Man höre nur den James Brown light auf “Giggalo“.

Was sollte man sich vorab anhören?
- Wer ihn noch nicht kennt, natürlich den Überhit ”Rapper’s Delight”
- ”Bad News (don't bother me)”, als Beispiel einer reinen Soul-Nummer
- ”Hot, hot, Summer Day”, eine gelungne Verschmelzung beider Traditionen mit Bläsersätzen, die an Chicago erinnern
- “Show down“, einen Hiphop mit viel Percussion, Gebläse und etwas easy listening Jazz, der von Mezzoforte stammen könnte
- und vielleicht noch “Apache“, eine Verwurstung des Shadows-Klassiker mit merkwürdigen Unga-unga-unga-Chören

Spätestens durch die soliden Liner-Notes (quälendes, augenfeindliches Layout) werden diese Rapper’s Delights zum unverzichtbaren Dokument eines einschneidenden Impulses in der internationalen Musiklandschaft.



Norbert von Fransecky



Trackliste
CD 1
1 Radio Commercial (0:50)
2 Rapper's Delight (14:37)
3 Rapper's Reprise (Jam Jam) (7:51)
4 Bad News (don't bother me) (6:45)
5 Sugarhill Groove (9:52)
6 Passion Play (5:14)
7 Hot, hot, Summer Day (7:10)
8 8th Wonder (7:26)
9 Show down (5:55)
10 Apache (6:15)
11 On the Money (5:34)


CD 2
1 Funk Box (8:10)
2 Giggalo (3:55)
3 The Lover in you (6:58)
4 The Word is out (5:42)
5 Kick it live from 9 to 5 (6:37)
6 Girls (6:37)
7 Livin' in the fast Lane (5:11)
8 Troy (6:08)
9 Real funky (6:06)
10 Space Race (7:42)
11 Work, work the Body (5:32)
12 The down Beat (4:42)
13 Be a Winner (6:46)

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