Musik an sich


Reviews
Nazareth

Hair of the dog (Remaster)


Info
Musikrichtung: Hard Rock

VÖ: 12.02.2010 (1975)

(Salvo Music/Soulfood)

Gesamtspielzeit: 78:13

Internet:

http://www.nazarethdirect.co.uk


Nachdem Salvo Music im letzten Sommer das liebevoll remasterte und verpackte Durchbruchalbum (Razamanz) der Schotten Nazareth wieder auf den Markt geworfen hat, geht die Remasterserie des Liebhaberlabels jetzt in den nächste Runde. Dieses Mal an der Reihe: Loud ’n’ proud (1973), Rampant (1974) und Hair of the dog (1975). Alle kommen wieder in Vinyl-Replikaoptik mit schickem Booklet, aufgebohrtem Sound und mit zahlreichen Bonustracks versehen in den Handel. Die optimale Gelegenheit jetzt Sammlungslücken mit den Studioalben dieser absolut unterbewerteten Hardrockband zu schließen. Vor allem, da die alten CD-Veröffentlichungen dieser Klassiker nicht besonders druckvoll klangen. Das wurde mittlerweile zum großen Teil behoben.

Wenn Loud ’n’ proud das Album mit „This flight tonight“ ist, ist Hair of the dog die Platte mit „Love hurts“. Zumindest in den USA. Im „harten“ Europa kam die Platte ohne die Everly Brother-Coverversion in den Handel, die viele als DEN Song von Nazareth sehen. Dabei ist Hair of the dog alles andere als ein Kuschelrockalbum. Nein, es ist über weite Strecken sogar das genaue Gegenteil davon. So hart und knarzig waren Nazareth bis zum diesem Zeitpunkt noch nicht. O-Ton Bassist Pete Agnew: „Es war unser erstes Heavy Rock-Album, anstatt nur einfach laute Melodien zu spielen.“

Der eröffnende Titelsong „Hair of the dog“ ist auch gleich einer dieser schmutzigen Rocksongs, der durch das Remastern stark an Durchschlagskraft hinzugewonnen hat. Den Refrain und das Talkboxsolo dürfte man bereits nach dem ersten Hören sein Leben lang nicht mehr vergessen. Auch sehr fein sind der heavy groovende Hardrocker „Miss misery“, die satte Version des von Nils Lofgren geschriebenen „Beggar’s day“ (mit dem sanften instrumentalen Ausklang „Rose in the heather“) und „Changin’ times“. Vom Aufbau her erinnert dieses stark an Led Zeppelins „Black dog“, nur dass es ein Stück aggressiver um die Ecke kommt. Auf der Europaversion durfte man sich dazu noch an der E-Piano-Ballade „Guilty“ erfreuen. Abgeschlossen wird „Hair of the dog“ vom fast zehnminütigen „Please don’t judge me“. Eine außergewöhnliche Nummer für Nazareth, die wellenhaft und intensiv vor sich hinbrodelt. Muss man mal gehört haben!

Genauso wie die ganze Platte überhaupt. Mit dem erstmals selbst, von Gitarrist Manny Charlton produzierten Hair of the dog lieferten die Schotten 1975 eine weitere Steilvorlage für die aufkeimende europäische Heavy-Szene ab. Es ist bis heute das erfolgreichste Album der Band. Sicherlich auch wegen der grandiosen Version von „Love hurts“, die auf dieser Veröffentlichung auch als Bonus enthalten ist. Dazu gibt es noch die Neuinterpretation des 60’s Psych-Poppers „My white bicycle“, die entspannte, halbakustische Single „Holy roller“, die durchschnittliche B-Seite „Railroad boy“, sowie fünf weitere Liveaufnahmen mit dazu. Diese stammen ebenfalls wieder aus den BBC-Archiven und wurden 1975 in Paris während einer Sendung vor Publikum aufgezeichnet. Den Programmansager gibt es hier sogar noch zu hören. Am auffälligsten darunter ist die Frank Zappa-Coverversion „Road ladies“.

Wer es also noch nicht getan hat, sollte sich mit dieser neuen Version von Hair of the dog ein bisschen Rockgeschichte ins Haus holen!



Mario Karl



Trackliste
1Hair of the dog4:11
2 Miss misery4:43
3 Guilty3:40
4 Changin’ times5:59
5 (A) Beggar’s day, (B) Rose in the heather6:30
6 Whiskey drinkin’ woman5:30
7 Please don’t judge me9:44
8 Love hurts (Single)3:52
9 My white bicycle (Single)3:25
10 Holy roller (Single)3:24
11 Railroad boy (B-Side)4:06
12 Hair of the dog (BBC live version)3:47
13 Holy roller (BBC live version)4:22
14 Teenage nervous breakdown (BBC live version)4:21
15 This flight tonight (BBC live version)3:37
16 Road ladies (BBC live version)7:02
Besetzung

Dan McCafferty (Gesang)
Pete Agnew (Bass)
Manny Charlton (Gitarre)
Darrell Sweet (Schlagzeug)


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