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Totenmond

Unter Knochen


Info
Musikrichtung: Metal Core

VÖ: 23.02.2004

(Massacre / Sony)

Gesamtspielzeit: 61:10

Internet:

www.totenmond.de


Der Titel trifft es ganz gut. Knochentrockene Extremlyrik und knochenharten Metal zwischen Punk, Doom und Blastbeats schroten Totenmond auf Unter Knochen, das roher als das letzte reguläre Album Reich In Rost (2000) ausgefallen ist. Weniger Experimente, stattdessen einfach voll auf die Glocke heißt die Devise. Eventuell haben da Auf dem Mond ein Feuer (2001) - eine Zusammenstellung von Deutschpunk-Coverversionen und der eigenen Punk-Vergangenheit - oder die Integration des 2002 eingestiegenen Bassers Senf ihre Spuren hinterlassen.

Für die Produktion zeichnet wieder Chris von Rautenkranz verantwortlich, doch ist die ganze Chose etwas undifferenzierter und unbehauener geraten als die zwar genauso brutale aber mit mehr Detailverliebtheit in Songs und Sound ausgearbeitete Reich In Rost.

Für Abwechslung ist jedoch durchaus gesorgt. Als Beispiele seien hier flotte Durchstarter wie "Permafrost" oder "Menschenfresser" genannt, die sich zwischen beiden Geschwindigkeitsextremen bewegenden "Zu Gast bei den Toten" und "Unkraut" oder der letzte Track "Kreuz oder Kopf", in dem Pazzer 4 Minuten lang ohne Musik zu schrägen Halleffekten einen abgefahrenen Text nur schmatzt, stöhnt, faucht & atmet bis er selbst in Gelächter ausbrechen muss. Nach über acht Minuten Stille gibt es dann noch einen hidden Bonustrack, ein kurzer punkiger Song, allerdings in absoluter Proberaumqualität.

Mein Favorit bisher ist die Abgehnummer "Menschenfresser". Kurz und punkig-brutal, mit netten Taktdrehern im Mittelteil, macht sie es schwer, beim Hören still sitzen zu bleiben. Mein Lieblingszitat aus den schonungslosen Texten, die Pazzer ins Mikro röhrt, ist dagegen "Eiswalzer" entnommen: "Immer kommt der Tod von hinten, die feige Sau!"

Ich habe mich lange gefragt, was mich an dieser Platte stört, die doch alle bekannten, zweifelsohne eigenständigen und tödlich funktionierenden Trademarks enthält, die ich an Totenmond so liebe. Sie ziehen souverän ihren Stil durch. Nur im Vergleich mit den Vorgängerscheiben, auf denen Totenmond stets einige neue Grenzen in punkto Härte, Rhythmik und Monotonie ausgelotet hatten, fällt auf, dass Unter Knochen weniger Neuerungen bietet.

Äußerst solide schwäbische Wertarbeit also, die mich aber eine Nuance weniger begeistert als die jüngere und innovativere bisherige Vita des Backnanger Knochenbrecher-Trios.

Die erste, limitierte Auflage erscheint auch im Digipak und enthält eine Bonus-DVD, auf der sich zu vier der neuen Songs schlichte Schwarzweiß-Videos befinden, die einfach die Band im Kunstnebel beim Spielen zeigen.



Bernhard Frey



Trackliste
1Intro1:54
2Unter Knochen4:47
3Permafrost3:11
4Zu Gast bei den Toten7:41
5Hirdraußaischheimad1:52
6Menschenfresser3:12
7Leuchtquell5:05
8Finster Mammut3:48
9Unkraut4:19
10Eiswalzer5:45
11Der Ich-Parasit4:24
12Kreuz oder Kopf15:12
Besetzung

Pazzer - git, voc
Senf - bass
S.P. Senz - drums


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