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Artikel

KEEP-IT-TRUE XIV: Tribute to Ronnie James Dio and Midnight

Info

Künstler: Keep It True XIV

Zeit: April 2011

Ort: Lauda-Königshofen - Tauberfrankenhalle

Internet:
http://www.keep-it-true.de

Mittlerweile haftet dem alljährlichen Keep-It-True Festival in Lauda-Königshofen etwas von einem Klassentreffen an. Jedes Jahr treffen sich (fast) die gleichen Nasen und stoßen auf alte Zeiten an. Nun gut, die „alten Zeiten“ beziehen sich eher auf die hier auftretenden Bands, die es (zum großen Teil) nur hier zu sehen gibt und überwiegend selbst schon so einige Jährchen auf dieser Welt wandeln. Publikum und Bands sind dabei fast gleichsam exklusiv und sorgen für eine spezielle, heimelige Atmosphäre in der man sich sofort wohl fühlt. Das True/Oldschool-Metal-Paradies eben! Wie immer war das zweitägige Festival schon lange ausverkauft, was dieses Mal ein paar Subjekte auf den Plan rief, welche den Fans das Geld mit gefälschten Tickets aus der Tasche ziehen wollten. Hierfür die rote Karte! Nicht einmal diese Szene bleibt von so etwas verschont. Das war aber schon der größte auffällige Punkt heuer. Denn im Vorfeld verlief es wieder üblich ruhig (also kein Vulkanausbruchkrimi wie anno 2010) und die Veranstalter blieben von größeren Bandabsagen verschont. Lediglich Agent Steel-Sänger John Cyriis schwebte nicht wie angekündigt mit seinem Ufo Richtung Tauberfrankenhalle, sondern blieb einfach zu Hause. Doch dazu später mehr. Gehen wir einfach der Reihe nach vor.


Freitag, 29.04.2011

Dass man der Aufheizerrolle einer jungen, aufstrebenden Band zur Verfügung stellt, ist auf dem KIT ja schon eine gute, alte Tradition. Davon macht man glücklicherweise auch bei der 14. Ausgabe keine Ausnahme. Die Ehre das Festival zu eröffnen haben dieses Jahr die Sachsen ALPHA TIGER, welche seitens der Presse von viel Lob überschüttet werden. Traditioneller Stahl (was auch sonst?!) mit leichter Priest- und starker Queensryche-Schlagseite steht auf dem Programm. Davon lässt sich das feierwütige Publikum recht schnell anstecken, auch wenn der Platz vor der Bühne noch einige Lücken aufweist. Auffälligster Punkt bei dem Ganzen ist Sänger Stephan Dietrich, der zwar frisurentechnisch nicht so recht ins Bild passen will, aber eine Stimme in bester Goeff Tate-Tradition besitzt. In Sachen Bühnenpräsenz ist er (genauso wie der Rest der Band) allerdings noch ausbaufähig. Aber nachdem Alpha Tiger den Sack mit dem stark dargebotenen Cover „Queen of the reich“ (na, von wem wird das wohl sein?) den Sack zumachen, beschweren sich nicht allzu viele darüber. Hungrige Band mit Potenzial. Haut weiter rein, Jungs!


Anschließend wühlte man gleich ganz tief unten in der US-Metal-Kultkiste. Denn HELLHOUND haben es in ihrem 30-jährigen Bestehen (mit vielen Jahren Pause versteht sich) gerade Mal auf drei Demos und kein einziges, richtiges Studioalbum gebracht. Ergo ist das Ganze nur etwas für richtige Insider. Egal, denn von richtig schlechten Eltern war die Chose nicht. Da gab es in den 80ern ganz andere Sachen mit Plattenvertrag... Hellhound boten Schwermetall irgendwo zwischen früher üblichem amerikanischem Power und Thrash Metal. Also der richtige Headbangerstoff. Es gab einige die sich richtig darauf freuten, die alten Demotracks mal live zu hören. Und diese schauten dann auch etwas irritiert, als der Vierer einiges an neuem Stoff auspackte, der doch ein Stück grooveorientierter ausfiel. Das war nett für zwischendurch, da man sich in guter Form zeigte - aber auch nicht allzu viel mehr. Ein kleines Zuckerl am Schluss: Die Band verabschiedete sich dem Festivalmotte gemäß mit dem Rainbow-Cover „Kill the king“. Nicht der schlechteste Abschluss.


Der Auftritt von DAMIEN THORNE (nebenbei die unfotogenste Band des Wochenendes) rief einen gewissen Zwiespalt hervor. Bei einem Festival wie diesen, bei dem Traditionen so stark gepflegt werden, möchten die Fans gerne, dass auch die Bands dem nachkommen und tief in ihrer Vergangenheit graben. Andererseits möchten sich die Gruppen als lebendige Bands präsentieren. Die richtige Mitte aus beidem schafften Damien Thorne an diesem Tag nicht so wirklich. Zu einem großen Teil spielte man Songs aus seinem neuen Album End of the game. Und selbst eine alte Schote wie „Escape or die“ zockte man in einer runderneuerten Version. Sieht man von dieser Erwartungshaltung allerdings einmal ab, war der Auftritt in Ordnung. Die Band war bemüht zu rocken und zeigte sich auch recht spielfreudig. Doch richtig sympathische Typen und echte Rampensäue sind sie leider auch nicht. So hat man diesen Amihaufen vielleicht auch schon einmal besser gesehen. Schade drum.


Über mangelndes Selbstbewusstsein oder uncharismatisches Auftreten kann man im Anschluss nicht klagen. Denn BITCH um die Frontamazone Betsy sind im Haus und legen mal so richtig los. Der rockige Metal der Band macht ziemlich Laune und bringt das Auditorium in Schwung. Die Dame hat eine gut eingespielte und bis in die Haarspitzen motivierte Band um sich versammelt, die nichts anbrennen lässt. Unter anderem gibt es hier Steve Gaines an der Gitarre zu sehen, der selbst bei einem der zurückliegenden KITs mit Abattoir ein regelrechtes Feuerwerk entzündete. Beste Voraussetzungen also für die erblondete Dame, ihre Show als Männer verschlingender Ledervamp durchzuziehen. Das Outfit ist immer noch dasselbe wie ehemals, nur die Haut wurde faltiger. Glücklicherweise nicht die Stimme. Und zotige Songs wie „Damnation Alley“ oder „Be me slave“ altern an diesem Ort sowieso nicht. Mit der Ballade „Save you from the world“, welche Betsy ihrem verstorbenen Schwager widmet, wird es etwas melancholischer, bevor Bitch mit dem obligatorischen „Live for the whip“ (die Peitsche wird hier ausgepackt, logisch) und „Skullcrusher“ noch einmal Gas geben. Anfangs musste man vielleicht schmunzeln, dass Betsy trotz fortgeschrittenem Alter immer noch die wilde Dame wie früher markiert. Aber das machen auch genug ihrer männlichen Kollegen, die viel schlechter in Form sind. Also geschenkt. Fazit: Spaßiger Auftritt, genau zur richtigen Zeit.


Achtung, Kult! Nicht nur der Name von SLAUTER XSTROYES sieht komisch aus. Das gilt zum Teil auch für die Musik. Denn die Band bietet nicht nur den üblichen Power Metal amerikanischer Prägung, sondern addiert ihrem Sound auch noch eine stark progressive Kante. Das hat durchaus seinen Reiz und man zieht auch so einige Fans an. Die sympathische Instrumentalfraktion zeigt sich gut eingespielt und frickelt stellenweise ziemlich Schwindel erregend. Hier wackelt definitiv nichts und auch Soundlöcher haben keine Chance. Die Herren verstehen ihr Handwerk und zeigen das auch selbstsicher. Etwas schwieriger wird es schon beim Gesang von Neu-Sänger Steven Reimer. Beständig schwankt er zwischen angenehmer mittlerer Tonlage und erschütternden, hellen Screams. Das macht er technisch tadellos. Aber an den Nerven zehrt das schon. Aber einen geilen Titel wie „Wicked bitch“ kann nicht mal er zersägen. Mit meiner skeptischen Meinung stehe ich aber etwas alleine da. Denn der Großteil zeigt sich sehr begeistert vom Gesamtpaket und feiert den Haufen ziemlich ab, was die Musiker strahlen lässt. Wenn man die Resonanzen betrachtet, kann man schon von einem ziemlichen Erfolg sprechen.


Tja, rückblickend muss man den Auftritt des skurrilen Trios BROCAS HELM etwas wehmütig betrachten. Doch dazu nachher. Stellen wir erst einmal fest, dass das hier einfach eine ziemlich fetzige Sache war. Mit regelrecht punkiger Attitüde und viel Bock feuerte die Band ihre Songs ins Auditorium, dass es eine wahre Freude war. Immer wieder unterbrochen von teils komischen Ansagen und jammigen Einlagen. Das hat doch einen ziemlichen 70er-Charme und ist alles andere als durchgestylt - eher sympathisch wirr. Sehr fein! Da ist es schon fast Nebensache was Brocas Helm für Lieder spielen. Aber eben nur fast. Denn auf geliebte Schoten wie das eröffnende „Black death“, „Ravenwreck“, „Ghost story“, „Into battle“ oder „Cry of the banshee“ will dann doch niemand verzichten. Und das muss man auch nicht. Speziell als Bassist Jim Schumacher beim letztgenannten Superhit wie ein Irrer über die Saiten segelt gibt es für viele kein Halten mehr. Nebenbei bemerkt gibt sich der Mann mit Schirmmütze und Schweißerbrille wieder saucool und könnte fast als verschollener Bruder von Lemmy Kilmister durchgehen. Viel zu schnell kommt das Ende des Konzerts und das finale „Skullfucker“ erklingt. Gerne hätte das Ganze noch länger sein dürfen. Denn durch ihre unbefangene und lockere Art hob sie die Band angenehm vom restlichen Programm ab. Einen richtigen Hammer hatte man dann noch parat, als sich die Roadies schon zum Umbau fertig machen: Ganz unvermittelt und wie beiläufig verkündete Herr Schumacher, dass dies das Ende der Band sein - Schluss, aus, finito! Puh, das hat gesessen. Veröffentlichungen gibt es von Brocas Helm zwar wenige und Auftritte waren selten, doch vermissen wird man sie...


BREAKER aus Cleveland habe ich noch bestens vom Bang-Your-Head!!! vor ein paar Jahren in Erinnerung. Damals legten sie schon einen feinen Auftritt auf die Bretter und an diesem Freitag wird die sympathische Truppe genau dasselbe noch einmal wiederholen. Denn mit jeder Menge Spaß in den Backen und Energie haut der Fünfer seine Songs in die Halle. Setlist-technisch hält man sich zur Freude der Anwesenden zum großen Teil an das einzige reguläre Album Get tough! und schüttelt sich davon Highlights wie den Titeltrack, „Lie to me“, „Blood money“ oder „10 seconds in“ aus den Ärmeln. Ein paar neuere Nummern dürfen aber auch noch sein. Schließlich ist man eine aktive und immer noch lebendige Band. Unter anderem zaubern Breaker neben ein paar bekannten Demosongs auch das nagelneue „I destroy“ hervor. Und schlecht klingt das alles nicht. Wenn man sich auf einem zukünftigen Album in genauso guter Form wie hier präsentiert, braucht man sich um die Band wohl keine Sorgen zu machen. Alt und eingerostet - das hört sich definitiv anders an!


Mit der folgenden Attraktion hat sich Veranstalter Oliver Weinsheimer etwas ganz Besonderes ausgedacht. Und zwar hat er GRIFFIN-Sänger William McKay ausfindig machen können und ihn für sein Festival verpflichtet. Doch ganz ohne Band lärmt es sich recht schlecht. Darum hat man ihn (wie im letzten Jahr Savage Grace-Boss Chris Logue) mit der Coverband Roxxcalibur zusammen gebracht, die an diesem Abend für die richtige Klangkulisse sorgten. Also stand einer Ladung zünftigen Speedmetals nichts im Wege. Stellt sich da natürlich nur noch die Frage ob es William stimmlich noch drauf hat. Optisch machte er zumindest einen recht runtergekommenen Eindruck. Aber so kann man sich täuschen. Seinen leicht hektischen und schrillen Gesang hat er immer noch bestens drauf. Und tatsächlich gab es für Fans der beiden Griffin-Alben nichts auszusetzen. Die Mitmusiker beherrschten die alten Schoten aus dem Effeff. Und dass sie gut aufeinander eingespielt sind haben sie oft genug bewiesen. Es war also eine richtige Freude, dieser „Heavy Metal Attack“ zu lauschen und die Haare dazu zu schütteln. Überhaupt gefiel die Lockerheit mit der man die alten Speed-Heuler aus den Boxen feuerte. Das galt insbesondere für Sänger McKay, der es sichtlich genoss, hier aufzutreten und abzufeiern. Lag die gelöste Stimmung vielleicht an ein paar Kräuterchen? Aufgrund so einiger Ansagen konnte man sich diesem Eindruck nicht verwehren. Aber wurscht, der Greif hat ordentlich seine Krallen gezeigt!



Was nun folgte, war schlicht und ergreifend das Highlight des Tages! Und das sage ich nicht nur als Fan. Die immer noch sehr aktiven VICIOUS RUMORS hatten sich für ein spezielles Konzert zusammen gefunden, um ihrem verstorbenen Sänger Carl Albert zu gedenken. Dazu teilten ex-Gitarrist Mark McGee und der ehemalige Bassist Tommy Sisco (eigentlich sollte es ja Dave Starr sein) wieder die Bühne mit der Band. Als Sahnhäubchen hatte man Carls Sohn Kevin für den Gesang engagiert, um Songs aus den Alben zwischen 1988 und 1994 zu spielen. Natürlich konnte man schon skeptisch sein, ob das eine gute Idee sei. Und als man Kevin sah, der wie das Mitglied einer Hardcore-Band daherkam, war ich das auch. Aber sobald er den Gesang zum mächtigen „Digital Dictator“ anstimmte, war ich baff. Seine Stimme war fast nicht von der seines Vaters zu unterscheiden! Daneben entpuppte er sich als sehr selbstsicherer und guter Frontmann, der richtig Spaß an der Sache hatte. Ansonsten war es natürlich auch toll, dass Gitarrenduo Thorpe/McGee endlich wieder vereint zu sehen. Seit ihrer Trennung hatte Geoff leider keinen solch guten Gegenpart mehr. Da auch der Sound super war, wurde der Auftritt zu einem wahren Triumphzug. Es folgte Hit an Hit: „Down to the temple“, „Abandoned“, „World & machines“, „Lady took a chance“ und und und… Sehr emotional gestaltete sich auch „The voice“, welches Kevin explizit seinem Vater widmete. Er wäre sehr stolz auf ihn gewesen! Einfach wunderbar, wie auch das Publikum abging und ein Song wie „You only live twice“ aus hunderten Kehlen erklang. Der einzige Stimmungsdämpfer war, als die Sonderveranstaltung die Bühne kurzfristig für das aktuelle Vicious Rumors-Lineup räumte, das mit „Murderball“ und „Let the garden burn“ zwei neue Songs aus dem tollen neuen Album Razorback killers präsentierte, was ja durchaus legitim ist. Mit „Don’t wait for me“ endete dann nach 75 Minuten dieser fabulöse Auftritt. Man ist froh, dabei gewesen zu sein. Vielleicht hört man ja von Kevin in Zukunft noch mehr.



Der Abschlussauftritt des ersten Tages stand unter keinen guten Vorzeichen. Angekündigt war ein Auftritt von AGENT STEEL und ihrem legendären Sänger John Cyriis. Daraus wurde im Vorfeld leider nichts. Also organisierte man sich mit Steel Prophet-Vokalist Rick Mythiasin einen Ersatz und ließ das Ganze unter dem Namen MASTERS OF METAL laufen. Und nach diesem Auftritt kann man sagen: der Ersatz passt! Der Mann zeigte sich mit Ufo-Shirt und Alienbrille passend durchgeknallt und auch seine Performance war dementsprechend. Stimmlich gab es genauso wenig zu bemängeln. Denn er hat ne kräftige und doch auch helle Röhre. Also, alles fein im Speed Metal-Universum? Ja, soweit schon. Nur der Sound war nicht wirklich optimal. Dafür fegte die Band erst recht trotzig und mit viel Adrenalin durch die PA. Zeit zum Durchatmen blieb bei den von Haus aus schon sehr schnellen Kompositionen eh nicht. So mancher Gitarrist hätte sich bei den zackigen Läufen seine Finger gebrochen. Mit „Agents of steel“ und „Never surrender“ blieb kein Auge trocken und Kopf ungeschüttelt. Der Sängerwechsel bedeute auch, dass man ohne Bedenken auf Material aus der Bruce Hall-Phase zurückgreifen kann. Und so durfte man sich unter anderem an „Ten fists of nations“ vom absolut unterbewerteten Order of the illuminati erfreuen. Aber im Fokus standen natürlich trotzdem die alten Schoten aus den 80ern, wie „Guilty as charged“ oder „The day at Guyana“. Dazwischen gab es ein schönes Dio-Tributemedley aus „Children of the sea“, „The last in line“ und „Stand up and shout“. Super! Aber das sollte nicht das einzige Cover bleiben. Nach dem neuen Song „Tomb of Ra“ schleppte sich Helstar-Barde James Rivera auf Bühne und man gab gemeinsam Judas Priests „The ripper“ zum Besten. Das war eher verzichtbar. Da kam beim anschließenden „Bleed for the godz“ schon mehr Freude auf. Damit machten Agent Steel (bzw. Masters of Metal) den Deckel auch zu. Der Rezensent hatte seinen Spaß, auch wenn man am nächsten Tag ein paar kritische Töne vernahm. Na, jedem kann man es wohl nicht recht machen. Gute Nacht!


Samstag, 30.04.2011

Junger Newcomer die Zweite: Die letzte Nacht steckte so einigen noch in den Knochen. Aber die Italiener SIGN OF THE JACKAL waren topfit als sie die Bühne enterten. Allzu viel Material hatte die Band um die attraktive Sängerin Laura Coller mit einer EP auch nicht. Und die fünf verließen nach einer guten halben Stunde die Bühne geschlagene 10 Minuten früher als angesetzt. Das war dann auch der Grund, warum der Schreiberling nicht allzu viel von der Band mitbekam. Aber das bis dahin Gehörte klang gar nicht so übel. Und Bands mit weiblichen Sängerinnen, die nicht in üblicher Trällerelsenmanier rumblöken, gibt es eh leider viel zu selten!


ENFORCER sind derzeit irgendwie allgegenwärtig. Das waren sie noch nicht, als sie die Veranstalter für dieses Wochenende buchten. Sei’s drum. Live ist die mittlerweile zum Quartett geschrumpfte Band immer noch eine unterhaltsame Sache. Das scheinen auch die Besucher zu wissen. Denn die Halle ist um diese Zeit schon brechend voll. Wie von der Tarantel gestochen flitzen Enforcer über die Bühne, als sie mit „Roll the dice“ und „Mistress from hell“ loslegen. In Sachen Posen sind die Schweden ja die ganz Großen. Und egal ob der Spielspaß nur vorgetäuscht oder echt ist, die Jungs wissen, wie eine zünftige Rockshow auszusehen hat. Das wird auch dementsprechend honoriert und der Stimmungspegel ist recht hoch. Besonders bei eingängigen Nummern wie „Midnight vice“ oder „High roller“. Trotz hohen Adrenalinspiegels erlaubt man sich spielerisch keine Patzer. Die vielen Auftritte machen sich also bezahlt. Lediglich Sänger Olof Wikstrand muss sich an seine Doppelbelastung noch gewöhnen und wirkt an mancher Stelle etwas wacklig. Das ist aber nur Makulatur. Denn als Ganzes war das ein ziemlich spaßiger Auftritt, der das Blut um diese Zeit schon ziemlich in Wallung brachte.


Das musikalische Kontrastprogramm folgt auf dem Fuße. Vom knackigen Heavy Metal geht es jetzt Richtung pompösem Hard Rock, der nicht selten recht deutlich von Keyboardklängen getragen wird. Damit sind SARACEN regelrechte Paradiesvögel. Aber trotzdem werden sie mit offenen Armen empfangen, auch wenn so mancher anfangs noch etwas skeptisch auf die Bühne blickte. Mit dem mächtig epischen „Crusader“ legt man gleich mit einer Sahnenummer los und ruft wohlige Schauer hervor. Der glasklare Sound sorgt dafür, dass man jedes kleine Detail auch gut hört. Dreh- und Angelpunkt der Show ist Sänger Steve Bettney, der noch immer eine glockenklare Stimme besitzt und auch sonst mit seinem Charisma überzeugt, auch wenn er im Großen etwas statisch agiert. Allerdings nicht so sehr wie seine Begleitband, die relativ unspektakulär, aber voller Freude ihr Programm spielt. Und jenes setzt sich neben kleinen Kostproben aus dem Schaffen des aktuellen Jahrtausends zum großen Teil aus Liedern ihres wunderbaren Debüts Heroes, saints & fools zusammen. Und genau das wollen die Fans schließlich auch hören. Aber nicht nur diese sind hin und weg von der Band. Die Musiker selbst fühlen sich von der ihnen entgegen schwappenden Sympathie regelrecht überrumpelt, aber natürlich geschmeichelt. Mit „Ready to fly“ endet dann ein Auftritt, der später zu den Höhepunkten des Festivals zählen wird. Und das hätte man so vielleicht nicht erwartet!


Für den einen sind sie das pure fleischgewordene Klischee mit Spinal Tap-Alarm, für den anderen die reine schwermetallische Partyband: METALUCIFER. Für die heute Anwesenden ist die japanische Kultband natürlich ausschließlich letzteres. Eine Band die das Metal-Sein bis in die Haarspitzen lebt, sich ausschließlich in engen Hosen und Kutte kleidet und deren Songs (zum Großteil) im Titel „Heavy Metal“ tragen, muss man doch einfach lieben, oder nicht? Denn ganz ohne ihr Image wären Gezolucifer und seinen zu 3/5 deutsche Begleitband natürlich langweilig. Denn ihre Lieder sind durchgehend stumpf und gehören nicht gerade zum Kreativsten. Aber das ist heute so etwas von egal! Selten sieht man so viele bangende Matten auf einem Haufen, wie in den ersten 50 Reihen des Metalucifer-Auftritts. Die Band legt sich dementsprechend ins Zeug und haut Schoten wie „Heavy Metal Drill“, „Heavy Metal Samurai“ und „Heavy Metal Revolution“ voller Elan ins Publikum. Dabei ist es eine wahre Pracht dabei zuzusehen, wie sich besonders Frontmann Gezol in sämtliche Posen wirft und zwischen den Songs seine unsinnigen und kaum verständlich genuschelten Ansagen raushaut. Aber ansonsten gewährt man den Leuten wenig Zeit zum Verschnaufen. Eher noch zum Lachen. Denn wenn ihr mit angereistes quasi Bandmaskottchen Neal Tanaka mit Kettensäge auf die Bühne marschiert und er sich damit erst einmal auf die Treppe haut oder ein Typ mit Schweinemaske und „I love Nu Metal“-Leibchen von wahren Metalfans massakriert wird, ist das einfach lustig. Dadurch schieben sich Metalucifer eine ganzes Stück nach oben auf der Favoritenliste der KIT-Besucher. Denn stimmungstechnisch kommt so schnell keine andere Band mehr an diesen Gig heran. Sehr köstlich!


Für nicht wenige sind die Französisch sprechenden Kanadier DEATH DEALER nicht viel mehr als ein Lückenbüßer und sie ziehen es vor, sich im anliegenden Sportheim mit warmen Speisen zu verköstigen oder auch mal ein Weißbier aus dem Glas zu genießen (und nebenbei wird auf Sky auch noch gerne Fußball geschaut). So sieht sich das Quintett mit einer geleerten Halle konfrontiert. Trotzdem lässt man sich davon nicht irritieren und zieht eisern sein Programm durch. Besonders Bassist Jean Pierre Fortin und Sänger André Larouche erweisen sich als Aktivposten und feuern das Publikum an. Die Herren sind auch recht sympathisch. Ihre Musik dafür etwas unspektakulär. Mich erinnert das Ganze ein wenig an Metal Church mit einer Ladung Maiden im Gepäck. Da man außer einem Demo aus dem Jahr 1983 nicht allzu viel in der Hinterhand hat, gehören Death Dealer auch nicht zu den bekanntesten Acts des Wochenendes. Als Europapremiere war das Ganze aber in Ordnung. Dafür war der Sound recht mies, was für die Band natürlich Schade ist. Aber dieses Problem haben so einige andere auch. Schließlich ist die Tauberfrankenhalle aufgrund ihrer Bauart nicht gerade einfach zu beschallen.


SLEADGE LEATHER sind recht kurzfristig ins Programm gerutscht und den Namen haben bisher auch nur wenige gehört. Dahinter versteckt sich die ex-Chastain- und Malibu Barbie-Sängerin Leather Leone, die vielleicht noch ein Begriff sein könnte. Mit dabei hat sie mit Betsey Stephens und Sandy Sledge an Bass und Schlagzeug zwei Geschlechtsgenossinnen. Gitarrist Brett Baugh ist somit ein richtiger Hahn im Korb. Versprochen wurde im Vorfeld eine Setlist mit einigen Titeln aus Leathers Chastain-Zeit. Diese gab es dann auch in Form von „Ruler of the wasteland“, „For those who dare“, „Angel of mercy“ und „Voice of the cult“ dann auch, was dementsprechend honoriert wurde. Die Vorlagen wurde aber auch nicht 1:1 herunter gespielt, sondern etwas dem neuen Stil angepasst. Und dieser war ein ganzes Stück offener und nicht so geradlinig hardrockend, wie es sich so manchen gewünscht hätte. Vor allem Frau Schlagzeugerin prügelt stellenweise recht eigenwillig, dafür mit jeder Menge Power. Gitarrist Baugh steht auch nicht nur auf Powerchords. Das klang dann manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Die Musiker hatten aber jede Menge Spaß an der Sache und das sah man auch. Am positivsten war aber die charismatische Sängerin selbst, die stimmlich nicht allzu sehr gealtert schien und auch sonst noch bestens in Schuss war. Allerdings hatte sie es im Gegensatz zu Betsy am Vortag nicht nötig, einen auf sexy Biest zu machen. Insgesamt ganz nett, aber nicht so zwingend.


Hach, SACRIFICE wussten genau, was die Leute jetzt wollten. Und zwar eine aufs Maul! Genau, Thrash Metal war angesagt. Dieser Riffsturm war nebenbei gesagt auch eine feine Abwechslung zum restlichen Programm des Tages, welches doch um einige Ligen melodischer war. Und so wurde das Quartett auch bestens angenommen und es bildete sich sogar recht schnell ein ansehnlicher Moshpit im vorderen Publikumsbereich. „Forward to termination“ war ein passend betitelter Opener zum Geschehen auf und vor der Bühne, bei dem man keine Gefangenen nahm. Sänger/Gitarrist Rob Urbinati spuckte in bester Tom Araya-Manier seine giftigen Texte ins Mikro, während der Rest der Band äußerst tight hinter ihm einen Höllenlärm veranstaltete. Man hatte nicht den Eindruck einer reinen Hobbyband zu lauschen, wie es sonst schon mal bei diesem Festival vorkommt. Einen Sympathie-Bonuspunkt bekommt Basser Scott Watts, welcher wie ein Irrer die wildesten Läufe spielte und sich dabei ständig einen abgrinste. „Good friendly violent fun“ eben. Und so nutzten viele die Gelegenheit mal so richtig die Birne zu schütteln. Die Stimmung war während der gesamten Stunde jedenfalls prächtig. Da soll noch einmal jemand sagen, dass Thrash Metal auf dem Keep-it-true nicht funktioniert. Davon kann es gerne in Zukunft wieder mehr geben!


SATAN waren vor ein paar Jahren schon einmal in Originalbesetzung auf dem Programm gestanden, bevor Bassist Graeme English bei einem Skyclad-Auftritt von der Bühne purzelte. Es wäre auch zu schön gewesen... Egal, an diesem Tag sollte die Wiedervereinigung im Court in the act-Lineup doch noch geschehen. Und nicht nur die Fans, nein, auch die Band war richtig heiß darauf. Das merkt man vom ersten Ton an. Sämtliche Musiker grinsten ständig über beide Backen und zockten dementsprechend ihre Songs. Und das Programm setzte sich wie angekündigt nur aus Songs des legendären ersten Albums und ein paar Demostücken zusammen. Kein Wunder, dass das Publikum schon bei der euphorischen Eröffnung „Trial by fire“ Kopf stand. Es war eine richtige Pracht Satan beim Spielen zuzusehen. Man hatte nicht den Eindruck es mit einer Gruppe zu tun zu haben, die schon ewig nicht mehr zusammen war. Besonders Gitarrist Russ Tippins, der zu Hause in Barbands durch die Kneipen tingelt, sorgte für jede Menge Stauen. Er hat zweifelsohne Magie in seinen Fingern und es ist schade, dass man ihn sonst nirgendwo zu sehen bekommt. Etwas zurückhaltender war mal wieder Sänger Brian Ross, dessen einschmeichelnde Stimme zwar immer angenehm zu hören ist. Aber ein großer Entertainer wird aus ihm leider nicht mehr. Aber das ist jetzt nicht als große Kritik zu verstehen. Denn das Gesamtbild war einfach stimmig und die Freude das zu erleben dürfen so und so riesig. Viel besser können Satan vor knapp 30 Jahren auch nicht gewesen sein. Das aus vielen Kehlen mitgesungene „Pull the trigger“ war dann der Abschluss des einstündigen Konzerts, welches fast schon zu schnell vorüber ging.



Mit MALICE ging es so langsam dem Endspurt des Wochenendes entgegen. Auf die „amerikanischen Judas Priest“ durfte man im Vorfeld gespannt sein. Für den Sängerposten konnte man als Ersatz für James Neil niemand Geringeres als Helstar-Boss und Mr. Überall James Rivera verpflichten. Das ist einerseits natürlich bemerkenswert, kann aber auch problematisch sein, da der Mann durch seine markante Stimme der betreffenden Band in gewisser Hinsicht auch seinen Stempel aufdrückt. Und so einige Besucher bemängelten im Nachhinein auch genau das. Aber mal ehrlich, im Prinzip hatten Malice alles richtig gemacht. Sie gaben den Fans ausnahmslos die Highlights ihrer beiden Alben In the beginning... und License to kill und präsentierten den Stoff auch noch spielerisch auf höchstem Niveau. Eingerostet war hier jedenfalls niemand auf der Bühne. Weder spielerisch, noch in körperlicher Hinsicht. Besonders Gitarrist Jay Reynolds und sein hünenhafter Kollege Mick Zane gefielen sehr. Wer da noch an den (ich gebe es ja zu) teils penetranten Screams von Meister Rivera rummäkelt, dem ist auch nicht zu helfen. Die Tatsache, dass man erst viermal gemeinsam probte und trotzdem eine solche Vorstellung auf die Bretter legte, zeugt davon, dass wir es hier mit ausgebufften Profis zu tun haben. Originalsound hin oder her, es war schon ein richtiger Genuss, Granaten wie „Against the empire“, „Chain gang woman“, „The unwanted“ oder „Godz of thunder“ mal live zu hören. Und mit der Ansicht war ich nicht wirklich alleine!



Mit dem Auftritt von CRIMSON GLORY auf dem KIT wollte sich Oliver Weinsheimer einen Traum erfüllen. Leider kam es durch den Tod von Sänger Midnight vor zwei Jahren nicht mehr zur gewünschten Wiedervereinigung an diesem Ort. Dafür ist man jetzt mit seinem neuen Sänger Todd La Torre angereist. Skepsis in Sachen Gesang konnte die Band bereits im Vorfeld durch ihre YouTube-Videos ausräumen. Nun galt es aber zu beweisen, dass Todd seine dort gezeigte Leistung auch live rüberbringen konnte. Und ja verdammt, er konnte! Sogar noch besser als man erhoffte. Bereits von den ersten Tönen von „Valhalla“ an war die Illusion fast perfekt. Dies sind die Crimson Glory, welche man von den beiden Klassikern Crimson Glory und Transcendence her kennt. Was die Setlist betrifft, hielt man sich ausschließend an diese beiden Platten. Wobei man sich bei der ersten Hälfte des Auftritts am Debüt orientierte und in der zweiten auf dessen Nachfolger. Das Quartett zeigt sich mehr als nur gut eingespielt und das Ganze klang einfach unglaublich. Nicht nur einmal erzeugte die Band eine Gänsehaut. „Dragon lady“, „Queen of the masquerade“, „Lady of winter“ oder „Burning bridges“ (wurde dem kürzlich verstorbenen Matt LaPorte gewidmet) sind Songs für die Ewigkeit. Kein Wunder, dass auch das Publikum vor Ort komplett aus dem Häuschen war. Nicht wenige zeigten sich sogar regelrecht gerührt. Sänger Todd und Gitarrist Jon Drenning suchten auch immer wieder den Kontakt zu den Fans und stachelten diese an. Mit dem Kracher „Red sharks“ fand die Vorstellung ein viel zu schnelles, vorläufiges Ende. Das konnte es doch nicht schon gewesen sein? War es auch nicht. Denn nach einer kurzen Pause folgte der absolute Gänsehauthöhepunkt. Todd La Torre enterte mit Midnights Maske die Bühne und gab die Ballade „Lost reflection“ zum Besten. Und das auch nicht weniger morbid klingend wie das Original. Großartig! Danach musste man erst einmal durchatmen. Mit „Lonely“ und „Eternal world“ ging dann dieser unglaubliche Auftritt zu Ende. Die Headlinerposition hatten sich Crimson Glory wirklich redlich verdient!



Dieses Metal-Jubelwochenende hatte also seinen Abschluss gefunden. Es war wieder spitze - was nicht nur die Musik, sondern auch das Drumherum betrifft. Seien es die entspannten Fans, die freundlichen Security-Leute oder die restlichte Organisation. Da gab es wirklich nichts zu meckern und man freut sich schon jetzt wieder auf das Keep-it-true XV im nächsten Jahr. Der Termin und einige Bands stehen bereits fest. So gibt es 2012 eine Fortsetzung der New Wave of British Heavy Metal-Show mit neuen Gästen. Daneben spielen unter anderem Potrait, Oz, die Kandier Sword, Adramelch, Mystic Force, Tytan und Ostrogoth. Das Ganze findet am 27. und 28. April 2012 statt und man sollte sich wie immer mit dem Ticketkauf sputen. Denn ein großer Teil der 2.000 Karten ist bereits wieder verkauft.



P.S.: Wer sich jetzt noch für die Setlisten der einzelnen Bands interessiert, der konsultiert bitte das sehr lebendige Festival-Forum (direkter Link: http://www.sacredmetal.de/board/viewtopic.php?f=11&t=8977).




Mario Karl


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