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Artikel

Avantasia: Die Metaloper live in Lichtenfels

Info

Künstler: Avantasia

Zeit: 03.12.2010

Ort: Lichtenfels - Stadthalle

Internet:
http://www.tobiassammet.com
http://www.myspace.com/avantasia

Als der damals noch blutjunge Tobias Sammet, Sänger von Edguy, 2001 zusammen mit diversen prominenten Gastmusikern den ersten Teil der Avantasia-Saga aufnahm, konnte er nicht wissen, dass das Projekt diverse Nachfolgeralben mit teilweise noch prominenteren Sängern (Klaus Meine, Alice Cooper) nach sich ziehen würde. Wenn ihm allerdings jemand gesagt hätte, dass er zusammen mit einigen dieser Ausnahmemusiker 2008 einige Festivalshows als Headliner absolvieren und 2010 sogar noch eine Hallentour nachlegen würde, hätte er denjenigen wahrscheinlich für verrückt erklärt. Das Außergewöhnlichste ist in meinen Augen jedoch immer noch, dass er 2001 einen gewissen „Ernie“, besser bekannt als Ex-Helloween-Sirene Michael Kiske, zur Mitarbeit an diesem Projekt und zur Liveumsetzung überzeugen konnte. Diese Leistung gebührt Herrn Sammet meinen allergrößten Respekt!

Als wir in Lichtenfels ankommen, trauen wir unseren Augen nicht. Eine ca. 100 Meter lange Menschenschlange steht vor der Halle und wartet auf den Einlass, der bei Minus 9 Grad Celsius nicht schnell genug gehen kann. Im Eingangsbereich ist eine kleine Metalbörse aufgebaut, bei der allerhand Raritäten angeboten werden. Da ich Hunger habe, kaufe ich mir für 3 Euro (1,50 Euro kostet ein Paar Bratwürste!) eine Steaksemmel. Großes Lob an den Herrn Grillmeister und an die Veranstalter, die mit humanen Preisen für Essen und Getränke die anwesenden Fans versorgten! Wr postieren uns zuerst im hinteren Teil der gut gefüllten Halle, die mit ihrem etwas altmodischen Charme, einer kultigen Tribüne und ihrer Bauweise absolut einladend auf mich wirkt. Schräg neben uns steht ein Podest, auf dem das Mischpult und diverse Kameras aufgebaut sind. An sich ist der Beginn um 19.30 Uhr geplant, wird jedoch aufgrund des großen Andrangs vor der Halle auf ca. 20 Uhr verzögert.

Kurz darauf geht das Licht aus, die Menge schreit und ein düsteres Intro kündigt den Song „Twisted Mind“ an. Tobias Sammet plus seine munteren Gefolgsleute stürmen begeistert die Bühne und mit einem druckvollen, klaren Sound und einer beeindruckenden Lightshow geht es los.Man merkt sämtlichen Musikern von Beginn an etwas Nervosität und die unbändige Spielfreude sofort an, was sich in kürzester Zeit auf das begeisterte Publikum überträgt. Die Band, die Tobias dabei hat, ist auch ohne die Gastmusiker bemerkenswert: Der Produzent Sascha Paeth (Gitarre), Edguy-Schlagzeuger Felix Bohnke, Background-Sängerin Amanda Sommerville und der Ausnahmemusiker Oliver Hartmann (Gesang, Gitarre). Oliver ist Solokünstler mit eigenen Stücken und Sänger und Gitarrist bei der Pink Floyd-Coverband Echoes, bei denen er die Gesangsparts von David Gilmour täuschend echt singt. Wenn diese Band in Eurer Stadt auftaucht, unbedingt anschauen!

Als erster Gastsänger entert Masterplan-Vokalist Jorn Lande die Bühne. Mit einem Wahnsinnsgesang, wuchtig und mächtig wie ein Löwe, legt er los und singt mit einer Brachialität, die ich ihm niemals zugetraut hätte. In diversen Interviews hatte ich zuvor gelesen, dass er zwar ein Klasse-Sänger, aber kein Mann mit Bühnenpräsenz ist. An diesem Abend hat er genau das Gegenteil bewiesen! Tobias lässt es sich natürlich nicht nehmen, seine Scherze einzubauen. Jorn wird Opfer eines Scherzes über sein Geschlechtsteil („Norwegians are big, but they come too quick“), die er jedoch mit einem lässigen Grinsen über sich ergehen lässt. Tobias federt das Ganze noch ein bisschen ab in dem er meint „They are big, but my mother said it doesn’t hurt“.

Die Band spielt jeden Song mit einer Begeisterung, als wäre es ihr letzter Auftritt. Als nächster Gast ist der Magnum-Sänger Bob Catley am Start, der mit einem überragenden Gesang und der Ruhe und Souveränität aus unzähligen Live-Auftritten das Duett mit Tobias angeht. Die Stimmen passen sehr gut zusammen und harmonieren perfekt. Absolute Gänsehaut bekomme ich, als der legendäre Michael Kiske die Bühne betritt und zu „Reach Out For The Light“ zusammen mit Tobias singt. Der absolute Wahnsinn, das allein ist schon das Eintrittsgeld wert! Bei jedem Song, den Meister Kiske mit seinem Goldkehlchen veredelt, kommt dieses Gänsehautfeeling auf. Es ist eine wahre Freude, diesen Ausnahmesänger live auf der Bühne zu bestaunen. Dabei kommt bei mir etwas Wehmut auf, ihn nie zusammen mit Helloween live gesehen zu haben. Bei diesem Duett zeigt sich auch, dass Michael Kiske im Vergleich zu Tobias Sammet wesentlich leichter zu singen scheint. Tobias muss ich viel mehr anstrengen, was allerdings auch daran liegen kann, dass er bei jedem Song mitsingen muss.

Tobias hat anscheinend von der Regie die Anweisung bekommen, mit dem Publikum auf Englisch zu sprechen. Er versucht das zwischen zwei Songs, was jedoch nicht so recht gelingen will und obendrein ziemlich aufgesetzt wirkt. Der sympathische Hesse merkt dies ziemlich schnell und lässt es unter großem Beifall dann auch wieder sein. Bei einem Song singt Oliver Hartmann ähnlich wie James Hetfield und beeindruckt die Anwesenden. Dies zeigt seine Vielseitigkeit, denn zwischen Hetfield und David Gilmour liegen doch ziemliche Unterschiede. Bei einigen Songs ist noch Gamma Ray-Aushängeschild, Gitarrist und Sänger Kai Hansen dabei. Er singt ebenfalls grandios und reiht sich damit nahtlos in die Reihe der anderen ein. Ziemlich exklusiv wird es, als bei den letzten drei Songs Kai Hansen und Michael Kiste zusammen auf der Bühne stehen.

Der Abend verfliegt förmlich und die Zwei-Stunden-Marke ist unglaublich schnell erreicht. Tobias kann es natürlich auch bei Avantasia nicht lassen und muss seine Witze, die außer ihm nicht wirklich viele Leute lustig finden, an den Mann bringen. Seine ständigen Witze über Genitalien diverser Mitmusiker nerven auf Dauer und einer der beiden Gitarristen deutet währenddessen mehrfach eine „Gähn-Geste“ an. Recht hat er. Es bleibt zu hoffen, dass er diese Scherze spontan einsetzt und nicht während der kompletten Tour in jeder Stadt anwendet. In diesem Fall wäre es besser, er würde lieber nichts sagen. Während einer Bandvorstellung, die für meinen Geschmack viel zu lange ausfällt, bekommen die Mitmusiker ihren wohlverdienten Beifall, den sie sich vollauf verdient haben. Bei „Avantasia“ und dem letzten Song „Sign Of The Cross“ kommen alle der beteiligten Sänger auf die Bühne und übernehmen vereinzelt Gesangsparts, was bombastisch rüberkommt. Kai Hansen fühlt sich leidlich unterfordert und steuert hier noch diverse Gitarrenparts bei. Nach zwei Stunden und 45 Minuten verabschieden sich die Musiker und Sänger vom Lichtenfelser Publikum, das frenetisch applaudiert und das völlig zu Recht.

Ich bin, wie der Großteil des Publikums, von dem Auftritt begeistert. Es war eine coole Sache, dieses Projekt überhaupt auf der Bühne umzusetzen. Es hat Tobias sicherlich viel Planung und Mühe gekostet, dieses Mammutprojekt zu organisieren und die prominenten Kollegen rein termintechnisch unter einen Hut zu bekommen. Des Weiteren ist es von Kai Hansen und Co. eine große Sympathiebekundung, sich an der Live-Darbietung des Projekts zu beteiligen und es zeigt einmal mehr, welcher Zusammenhalt in der Metal-Szene vorhanden ist!


Setlist:
Twisted Mind
The Scarecrow (mit Jørn Lande)
Promised Land (mit Jørn Lande)
Serpents in Paradise (mit Jørn Lande)
The Story Ain't Over (mit Bob Catley)
Prelude
Reach Out for the Light (mit Michael Kiske)
The Tower (mit Michael Kiske)
Death Is Just a Feeling (mit Kai Hansen)
Lost in Space
In Quest For
(mit Bob Catley)
Runaway Train (mit Jorn Lande, Michael Kiske, Bob Catley)
Dying for an Angel (mit Michael Kiske)
Stargazers (mit Jorn Lande, Michael Kiske, Oliver Hartmann)
Farewell (mit Amanda Somerville)
The Wicked Symphony (mit Jorn Lande, Michael Kiske, Oliver Hartmann)
The Toy Master (mit Kai Hansen)
Shelter From the Rain (mit Michael Kiske, Kai Hansen an Gitarre)
Avantasia (mit Michael Kiske, Kai Hansen an Gitarre)
Sign of the Cross / The Seven Angels (mit Jorn Lande, Michael Kiske und weiteren)


Stefan Graßl


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