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Artikel

Inside Out: Nick Masons persönliches Pink Floyd-Porträt in edler Aufmachung

Info

Autor: Nick Mason

Titel: Inside Out - Mein persönliches Porträt von Pink Floyd

Verlag: Rockbuch Verlag

ISBN: 3-927-638-09-9

Preis: € 49;90

360 Seiten

Internet:
http://www.rockbuch.de
http://www.edel.de

Musik-Biografien gibt es ja jede Menge, und so wurden auch über Pink Floyd wohl schon so manche Bücher verfasst. Meist stammen solche Werke aus der Feder von Musik-Journalisten oder eben auch einfach von Fans, die sich die Mühe machen, ein Buch über ihre Lieblingsband zu schreiben - leider viel zu selten aber rafft sich ein Musiker selbst dazu auf, ein Buch über sein Leben oder über die Geschichte seiner Band zu veröffentlichen. Aber es gibt seltene Ausnahmen, und so hat es neben Dieter Bohlen eben auch glücklicherweise Nick Mason geschafft, über seine Zeit im Musikbusiness aus eigener Perspektive zu berichten.

Und es gibt wohl keinen Besseren, der über das Innenleben und die Geschichte von Pink Floyd berichten kann, denn Schlagzeuger Nick Mason ist zwar nicht unbedingt das musikalisch kreativste Mitglied von Pink Floyd, aber doch das einzige, welches ununterbrochen zur Band gehörte. Bereits 2004 veröffentlichte er sein Buch Inside Out, in dem er sein persönliches Porträt über Pink Floyd präsentiert, und aktualisierte es 2005 nochmals um das bislang einzige Reunionskonzert beim Live 8-Konzert im Hyde Park.

Aktuell erscheint Inside Out auf Deutsch bereits in der 4. Auflage und der geneigte Leser kann und muss sich entscheiden, ob er nun die hier besprochene Hochglanz-Luxus-Ausführung für knapp 50 € oder doch die preiswertere, kartonierte Version für knapp 13 € ordert. Für echte Fans stellt sich diese Frage wohl nicht; die Edel-Version hat aber auch für Otto Normalleser durchaus ihren Reiz (die edel entertainment GmbH macht hier ihrem Namen wohl wirklich alle Ehre). Im Großformat als dicker und über 2 kg schwerer Schinken macht das Buch schon was her und hat im Bücherregal wohl einen Ehrenplatz verdient. Reich bebildert mit vielen bislang unveröffentlichten Fotos hat das Werk zumindest rein optisch den Anspruch eines Pink Floyd-Konzertes.

Was aber noch mehr beeindruckt als die äußere Aufmachung des Buches ist die Schreibe von Nick Mason: äußerst humorvoll, augenzwinkernd und unterhaltsam erzählt er seine Geschichte von Pink Floyd, angefangen von seiner ersten Unterhaltung mit Roger Waters am College (als sich dieser sein Auto leihen wollte), über erste Schritte und Auftritte, über die Einschnitte wie die Trennung von Syd Barrett und später dann von Roger Waters bis hin eben zum Reunionskonzert im Jahr 2005. Stets freundlich und humorvoll schildert Mason allerlei Anekdoten und Erlebnisse, wobei er auch die schwierigen Zeiten der Band nie unfair oder verurteilend, sondern mitunter sogar selbstkritisch beschreibt. Er bleibt dabei stets neutral und auffallend vorwurfslos - wer hier allzuviel schmutzige Wäsche erwartet, wird definitiv enttäuscht. Ein Grund könnte hier sein, dass er die Veröffentlichung mit Roger Waters, Rick Wright und David Gilmour abgesprochen hat und ihnen das Manuskript zur Korrektur überlassen hat...

Mason beschränkt sich in seinem Buch vor allem auf die Geschehnisse innerhalb der Band und über technische Details von Live-Auftritten, die Entstehung einzelner Songs und die Entwicklung der Aufnahmetechnik - Drogen, private und familiäre Details werden nur am Rande gestreift, so dass Frauen und Kinder bisweilen aus dem Nichts plötzlich auftauchen und ebenso abrupt wieder verschwinden. Aktualisiert wurde das Buch seit 2005 nicht mehr, so dass die Tode von Syd Barrett (2006) und Richard Wright (2008) noch keine Erwähnung finden konnten. Und Musikfans, die mit dem Werk von Pink Floyd nicht im Detail vertraut sind, werden vielleicht auch eine übersichtliche Diskografie und Cover-Abbildungen der Alben vermissen - dafür wird man aber mit vielen privaten Bildern entschädigt.

Fazit: es gibt ja Autos, deren Wert man durch Volltanken verdoppeln kann, und ebenso ist es durch den Erwerb dieses ansehnlichen Exemplars von Inside Out möglich, den Wert des heimischen IKEA-Billy-Regals zu verdoppeln. Unterm Strich ist Nick Mason eine interessante und unterhaltsame Biografie von Pink Floyd gelungen - geschrieben eben nicht von einem Außenstehenden, sondern von jemanden, der in der Band-Geschichte eigentlich immer Inside und nie Out war.

Jürgen Weber


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