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30 Jahre kölsche Leeder - Die Geschichte von BAP scheibenweise (Folge 2: Der "Dylan aus der Südstadt" goes Rock)


Norbert von Fransecky


BAP

...affjetaut...


Info
Musikrichtung:Deutsch Rock

VÖ: 24.03.2006 (1980)

(Capitol / EMI)

Gesamtspielzeit: 85:21

Internet:

http://www.bap.de


BAP ... rockt andere k&ouml;lsche Leeder war noch ein Vorspiel. Jetzt ist sie da: die deutsche Rockband der 80er Jahre. Mit Klaus Heuser, dem „Major“, ist der Gitarrist an Bord gekommen, der BAP aus der Liedermacher-Klampferei befreit. Sein Spiel und Niedeckens Stimme werden die K&ouml;lner in den nächsten Jahren prägen. Ihnen werden Texte und Kompositionen zugeschrieben - “wie bei Jagger und Richards“, so beschreibt es Niedecken im Interview.
Vor allem bei den Rock’n’Roll Nummern tragen dann noch das hämmernde Piano und die Saxophonsolo erheblich zur Attraktivität der Band bei.
Stilistisch sind BAP nun so offen im traditionellen Rock verwurzelt, das Ausflüge in den Reggae (“Anna“) oder das Couplet (“Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“) stimmig ins Bild passen.

Konkurrenz und Wegegefährten gibt es zuhauf: Udo Lindenberg ist noch da, Marius Müller-Westernhagen, Heinz Rudolf Kunze mutiert ebenfalls langsam zum Rocker, Herbert Grönemeyer, Klaus Lage, Wolf Maahn. Gemein ist ihnen: Sie gehören nicht zur Neuen Deutsche Welle, profitieren aber davon, dass deutsche Texte plötzlich gefragt sind.
Aber keine der anderen Bands ist so authentisch und echt. Mit keiner identifizieren sich die Fans so deutlich - und bei keiner dürfte das Fan-Verhalten so wenig von Fan-Kult haben. BAP bleiben auf dem Teppich. Sie kreieren nie ein besonderes Image. Immer hat man den Eindruck, ihre Texte sind eine Art Tagebuch, das vielleicht nicht immer ehrlich ist, aber immer ehrlich sein will.
Daher kühlt das Verhältnis zu den Fans auch ab, als das Leben als Star und Promi die Wirklichkeit der Musiker prägt - und die „Tagebuchaufzeichnungen“ von einem anderen Leben geprägt sind, als von dem des normalen Hörers. Aber bis dahin ist noch viel Zeit. Wir befinden uns ja noch am völlig entgegen gesetzten Ende der Entwicklung.
BAP, oder genauer der Texter Wolfgang Niedecken, beschreibt das, was ihm auf der Straße begegnet, was ihm auf der Seele brennt. Ganz alltägliche Beschreibungen, “Der Durchblickprofi aus dem Bausparverein rundum gebräunt mit Frau und Pudel daheim“, werden zu fein ziselierten Portraits ganzer Gesellschaftssichten, die von jedem sofort verstanden werden können. Was Niedecken beschreibt, kennt jeder, aber kaum jemand kann es so gut nachvollziehbar darstellen.

Die Rolle des Musikers, in die der Kunststudent langsam hineinwächst, spielt eine Hauptrolle auf ...affjetaut.... Da werden selbst verliebte Presse-Fuzzis, die sich in der Sonne der Stars spiegeln wollen, karikiert, Society-Perlen, die den geschmeichelten Noch-nicht-Star eine zeitlang blenden können, beschrieben oder die Situation einer Band nachvollzogen, die vor dem nicht ganz passenden Publikum bestehen muss.
Daneben kommen zwei weitere Themenbereich zum Tragen, die BAP immer wieder beschäftigen werden - die Liebe und die Politik. Erstere wird mit Gefühl, manchmal auch mit rosaroter Brille beschrieben, aber auch hier bleibt Niedecken nachvollziehbar und hebt nie in alltagsferne Romantiker-Lyrik ab.
Mit dem Protestsong gegen die Stollwerk-Sanierungen bezieht die Band Position. Auch das wird für sie in der Zukunft typisch sein. Da wo politische Arroganz über das Wohl der Menschen zu triumphieren scheint, macht sie sich zum Sprachrohr der Menschen. Engagement und ziviler Ungehorsam gehören beim Menschen Wolfgang Niedecken zur Lebenseinstellung dazu und das wird auch in den Texten von BAP immer wieder deutlich. Dass die Band damit den Zeitgeist trifft, hat ihrer gigantischen Popularität in den Zeiten der Friedens- und Anti-AKW-Bewegung sicher nicht geschadet.

Die Bonus-CD bietet diesmal kaum neues Material. Daher gibt es auch nicht wieder dazwischen gesprochene warme Worte von Niedecken. Fünf Live-Versionen aus den Jahren 1982, 86 und 88 präsentieren Album-Stücke auf der Bühne. Dazu kommt ein Medley, das kein Medley ist, sondern ganz schlicht eine grandiose BAP-Version vom “Peter Gunn Theme“ mit kölschem Text.
In der Fortsetzung des Laufenberg-Interviews berichtet Niedecken dieses Mal darüber, dass BAP zu ...affjetaut...-Zeiten immer noch blutige Amateure waren. Was angesichts eines Textes wie “Wat ess?“ dann doch überrascht.
Daneben geht es wieder um’s Cover, um den (Einstieg des) Major, das überschreiten der Stadtgrenzen Kölns und die damit verbundenen Vertriebsprobleme, die beim Folgealbum letztlich zum Wechsel zur EMI führten.



Norbert von Fransecky



Trackliste
1 Ne schöne Jrooß (5:32)
2 Wat ess ? (4:01)
3 Stollwerck-Leed (3:51)
4 Anna (3:42)
5 Häng de Fahn eruss (2:35)
6 Helfe kann Dir keiner (4:24)
7 Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau (5:31)
8 Vun mir uss Kitsch (2:48)
9 Kumm op ming Sick (5:42)
10 Pardong (3:48)

Bonus-CD
1 Ne schöne Jrooß (6:57)
2 Wat ess ? (4:02)
3 Vun mir uss Kitsch (3:04)
4 Peter Gunn/ Brand new Cadillac-Medley (1:57)
5 Häng de Fahn eruss (2:59)
6 Anna (4:23)
7 Gespräch Niedecken &amp; Frank Laufenberg, Teil II (18:51)
Besetzung

Manfred Boecker (Perc)
Wolfgang Boecker (Dr)
Steve Borg (B)
Wolfgang Niedecken (Voc, Git)
Klaus Heuser (Git)

Gast:
Matthias Keul (Keys)


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