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Artikel

Big-Band auf Dänisch: LAKE PLACID!

Info

Gesprächspartner: Lasse Sort (Lake Placid)

Zeit: 11.02.2005

Interview: Telefon

Stil: Elektropop / -rock

Internet:
http://www.lakeplacid.dk

Eigentlich hätte ich Grund genug gehabt, enttäuscht zu sein: Da macht man mir das Interview schon im Vorfeld schmackhaft, indem man ankündigt, es würde mit der entzückenden Frontfrau TK stattfinden. Beim Anruf in dem norwegischen Hotel, das Lake Placid im Rahmen ihrer Europatour gerade bewohnen, spreche ich dann aber doch "nur" mit Bassist und Keyboarder Lasse Sort. Letztlich war die Wahl des Gesprächspartners aber doch erfreulich, denn zum einen erwies sich Lasse als ein ausgesprochen sympathischer Gesprächspartner, und zum anderen spricht er ein sehr angenehmes, verständliches Englisch. Aber gutes Englisch ist ja bekanntlich auf der ganzen Welt verbreitet, nur die Engländer und Amerikaner tun sich damit ein wenig schwer.

MAS:
Habt ihr früher schonmal in Norwegen gespielt?

Lasse:
Nein, es ist unser erstes Mal hier. Vor ein paar Tagen waren wir in London und heute spielen wir in Stavanger, das ist alles noch sehr neu für uns.

MAS:
Ist der Unterschied zwischen Dänemark und Norwegen groß?

Lasse:
Ich glaube, alle skandinavischen Menschen haben viel gemeinsam. Der größte Unterschied zwischen uns dürfte die Geographie sein - Dänemark ist ein sehr flaches Land und die Menschen leben nah beieinander. Schweden und Norwegen bestehen eher aus Berglandschaden, und ich glaube, dass das auch die Menschen beeinflusst. Aber wir haben ungefähr dieselben Sprachen und viele Gemeinsamkeiten.

MAS:
Seit ein paar Tagen ist euer erstes offizielles Album 'Make more Friends' zu haben. Wie kam es zu der Verzögerung zwischen der dänischen und der deutschen Veröffentlichung?

Lasse:
Ich glaube, das ist normal bei dieser Art von Musik. Wir mussten zuerst die Leute von Universal Deutschland überzeugen, dass sie uns überhaupt rausbringen. Deshalb sind wir im November im Berliner Magnet aufgetreten, ich denke mal, dass sie sich deshalb entschlossen haben, das Album zu veröffentlichen.

MAS:
Wie kam es eigentlich zur Gründung von Lake Placid? Warum habt ihr euch formiert und wieso ist das line-up so riesig?

Lasse:
Wir haben nie geplant so viele zu werden. Wir sind einfach acht Leute, die Musik lieben und gerne zusammen sind. Die Gründung geschah dadurch, dass ein paar von uns gemeinsam zur Schule gegangen sind. Im Laufe vieler Sessions und Studioaufnahmen wurden wir dann von vier zu fünf, dann sechs und schließlich acht Leute, denn jedesmal, wenn wir mit jemandem zusammen gespielt haben, dachten wir uns: Das wollen wir auch auf der Bühne machen können! Da wir auch persönlich gerne zusammen sind hat es sich nun so ergeben.

MAS:
Wie kam es anschließend zum Plattenvertrag mit Universal? Auf dem ganz klassischen Weg mit dem Verschicken von Demos?

Lasse:
Nein, wir waren zuvor schon ein paar Jahre in der dänischen Indie Szene aktiv und haben ein paar selbst produzierte EP's veröffentlicht. Irgendwann haben die uns kontaktiert und gefragt, ob wir Lust hätten mit ihnen zusammen zu arbeiten. Wir haben zwar immer Demos an Labels versendet, allerdings nie an die Großen - es passierte einfach, wie so viele Dinge in der Band.

MAS:
Eure Musik klingt wie eine Synthese aus vielen verschiedenen Musikrichtungen. Wer waren eure Einflüsse, als ihr 'Make More Friends' aufgenommen habt?

Lasse:
Wir hatten keine spezifischen Einflüsse für unseren Sound, aber wir hören uns Elektro, Indie Rock und HipHop an - ich denke mal, es ist die Mischung daraus, die uns beeinflusst.

MAS:
Einige eurer Songs erinnern mich sehr an die früheren Cardigans - "To enjoy Life" zum Beispiel.

Lasse:
Marco Manieri, der Produzent des Albums, kommt aus der selben Stadt wie die Cardigans, und wir haben einen Teil der Aufnahmen in Marcos Studio gemacht, in dem auch einige der älteren Cardigans Alben aufgenommen wurden. Insofern ist das nur natürlich. Wir haben sicherlich einige Gemeinsamkeiten, aber sie sind kein Haupteinfluss für uns. Wir mögen sie aber, besonders die frühen Alben.

MAS:
Sehr auffällig an 'Make More Friends' ist das Layout, das auch Grundlage für das "This Air"-Video war. Es ist wie eine eigene kleine Welt... wer war dafür verantwortlich?

Lasse:
Mein Bandkollege Frederik [Sølberg, Gitarrist, Drummer, Keyboarder u.A., Anm.d.Autors], der auch Filme macht. Geholfen hat ihm dabei unser Freund Simon Højbo Hansen, der auch schon das Cover und das Booklet für unser Album designt hat. Beide sind unglaublich talentiert.

MAS:
Nur hat das Booklet leider keine Lyrics.

Lasse:
Das war die Entscheidung von TK. Sie schreibt alle Lyrics. Ich glaube, sie möchte, dass die Leute die Lyrics hören... und wer sie lesen möchte kann ein paar auf unserer unserer Webseite lesen. Für das Booklet wäre es ohnehin etwas zu viel geworden.

MAS:
Schreibt TK die Lyrics komplett alleine oder ist die Band in den Entstehungsprozess mit eingebunden?

Lasse:
Sie fragt uns manchmal nach Meinungen und Reimen und solchen Sachen. Aber es sind ihre Worte, da sie sie ja auch singen muss.

MAS:
Seit ein paar Tagen seit ihr auf Europatour. Wie verlief sie bisher?

Lasse:
Wir waren vor ein paar Tagen in London und seit gestern sind wir in Norwegen. Als nächstes kommt dann Deutschland, worauf wir uns wirklich sehr freuen. Wir waren in der Vergangenheit bereits für ein paar Konzerte dort, und in Deutschland hat es jedesmal sehr viel Spaß gemacht. Ich weiß auch nicht so genau, woran es liegt... das Publikum nimmt uns jedesmal sehr gut auf. Außerdem mögen wir das Land.

MAS:
Ich habe von einer Aktion gelesen, die in Hamburg stattgefunden haben soll... ihr habt auf der Straße getanzt, um ein Konzert zu promoten!?

Lasse:
Das war im letzten Sommer. Wir hatten am Abend ein Konzert, allerdings waren wir sicher, dass kein Mensch wusste, dass wir spielen würden. Deshalb haben wir vor einem Plattenladen unsere Musik abgespielt und dazu getanzt... es war eine sehr angenehme Erfahrung, denn das Wetter war schön und die Passanten teilweise sehr überrascht.

MAS:
Und hat's funktioniert?

Lasse:
Ja, hat es. Es kamen viele Besucher zum Konzert, darunter auch viele, die wir am Nachmittag auf der Straße gesehen haben. Wir würden so eine Aktion gerne wieder starten, nur ist es im Februar wohl etwas zu kalt dafür...

MAS:
Die meisten Bandmitglieder arbeiten in normalen Berufen. Wie läuft das, wenn ihr wie im Moment für längere Zeit auf Tour seid?

Lasse:
Unsere Chefs finden unser Hobby gut und unterstützen uns, indem sie uns für einen Monat gehen lassen. Sie wissen, wie wichtig uns die Musik ist, und da sie uns mögen wollen sie ja auch, dass wir in unseren Anstellungen bleiben.

MAS:
Lake Placid ist eine Band von acht Musikern. Da kann man sich schlecht vorstellen, dass es für den einzelnen noch nennenswerten Gewinn macht, wenn ihr zusammen auf Tour geht.

Lasse:
Das macht uns nichts aus. Wir touren wirklich gerne, Geld ist da nur ein zweitrangiges Thema.

MAS:
Ist es euer Ziel von der Musik leben zu können?

Lasse:
Das wäre toll. Aber in erster Linie machen wir Musik, weil wir es gerne tun. Natürlich wäre es toll, davon leben zu können, und das hoffen wir auch. Aber auch so werden wir sicher noch lange weitermachen.

MAS:
Mit TK habt ihr genau eine Frau in der Band. Ist es nicht manchmal hart für euch Jungs, dass sie immer die meiste Aufmerksamkeit bekommt?

Lasse:
Klar, aber wir tun, was wir können... machen im Hintergrund Flik-Flaks und eine Riesenshow, wir kämpfen regelrecht um die Aufmerksamkeit!
Im Ernst: TK ist nicht nur die einzige Frau, sondern auch noch die Sängerin. Da ist es ganz natürlich, dass sie die Aufmerksamkeit bekommt. Das ist aber für alle okay so.

Hendrik Stahl


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