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Artikel

Eclipse Sol-Air gackern erst, wenn das Ei gelegt ist. Ei Nummer Zwei ist im Körbchen.

Info

Gesprächspartner: Philippe Matic-Arnauld des Lions

Zeit: Juni 2013

Ort: Berlin - München

Interview: E-Mail

Stil: Progressive

Internet:
http://www.eclipse-sol-air.com

Mit ihrem Debüt Bartok’s Crisis waren Eclipse Sol-Air praktisch explosionsartig am deutschen Prog-Himmel erschienen und hatten viele etablierte Platzhirsche recht blass aussehen lassen. Der Nachfolger Schizophilia braucht sich dahinter kaum zu verstecken. Norbert von Fransecky hat erneut das Gespräch mit Band-Leader Philippe Matic-Arnauld des Lions gesucht.

MAS: In den letzten Jahren hat es wohl keine (deutsche) Prog-Band gegeben, die für ihr Debüt dermaßen mit Lorbeeren überschüttet wurde, wie Eclipse Sol-Air. Bevor ich die Standardfrage dazu stelle, mal andersrum. Hältst Du dieses Lob im Vergleich zu anderen Prog-Newcomern für berechtigt?

Philippe Matic-Arnauld des Lions: Es gibt viele, viele sehr gute Newcomer-Bands, aber wenige, die mit Violine, Querflöte, zwei Fronts und in verschiedenen Sprachen singen. Insofern sind wir etwas Besonderes. Und das Lob beziehen wir auf diese Tatsache, ohne dass wir die anderen Bands herabgewürdigt sehen wollen

MAS: Und nun zum Standard: Wie viel Druck hat es Euch gemacht, als DER Prog Newcomer des letzten Jahres der Öffentlichkeit ein zweites Album vorzulegen?

Philippe: Das hat uns überhaupt keinen Druck gemacht. Wir haben mit Freude viele neue Songs geschrieben, und Frank Bornemann hat acht Stücke herausgesucht, die zu dem Konzeptalbum Schizophilia passten.

MAS: `Bartok's Crisis´ war in meinen Ohren eine echte Wundertüte. Ihr habt eine Unzahl der verschiedensten Einflüsse und Inspirationen in das Album integriert. Das sehe ich bei `Schizophilia´ nicht mehr in diesem Maße. Eine bewusste Entscheidung, oder eine Folge des kürzeren Zeitraums, in dem das zweite Album entstanden ist?

Philippe: Das war eine ganz bewusste Entscheidung und hat nichts mit dem Zeitraum zu tun. Außerdem sind auch bei Schizophilia ganz verschiedene Einflüsse hörbar, allerdings viel geordneter als bei Bartok‘s Crisis.


MAS: Bereits bevor man `Schizophilia´ in den Player schiebt, erkennt man Unterschiede. Beim Debüt hattet ihr eine halbe Armee an Gastmusikern, Streicher und Chor dabei. Da habt Ihr deutlich reduziert. Ungewöhnlich. Normalerweise fahren Bands einen solchen Aufwand, nachdem sie einen ersten Erfolg hatten. Wieso ist das bei Euch umgekehrt?

Philippe: Wir haben bei unseren Live-Konzerten bemerkt, dass unsere Fans genau die Stücke hören wollten, die live ganz schwer zu spielen sind, zum Beispiel „Die Rumänen“. Da wir eine Live-Band sind, haben wir für das neue Album solche Stücke geschrieben, die wir live genauso spielen können wie auf dem Album.

MAS: Zweite Äußerlichkeit: Auf dem Cover von `Schizophilia´ steht der Name eines Labels. Ihr habt also einen Plattenvertrag. Was verändert das für Euch?

Philippe: Auch bei Bartok‘s Crisis steht ein Label drauf. Wir haben im eigentlichen Sinne keinen Plattenvertrag, sondern seit drei Jahren einen Exklusiv-Vertrag mit unserem Mäzen und Manager Hanshelmut. Der macht dann mit geeigneten Labels, Vertriebs- und Promoagenturen und Konzertveranstaltern Verträge. Das hat den großen Vorteil, dass wir insgesamt vollkommen unabhängig agieren können, was wir bei einem Major-Label niemals könnten.

MAS: Soweit ich weiß, ist ASR ein Label mit einem besonderen, dem Musiker mehr Rechte einräumenden Ansatz. Kannst Du dazu etwas sagen?

Philippe: Ja, das war auch der Grund, warum unser Manager mit ASR zusammenarbeitet. Im Übrigen eine sehr gute Zusammenarbeit, mit der wir bisher sehr zufrieden sind. Das sieht man auch daran, dass bisher seit dem Erscheinen des Albums neun Rock-Magazine sehr positiv über uns berichtet haben.
Philippe und Eloy-Mastermind Frank Bornemann, der Schizophilia in seinem Studio in Hannover produziert hat.

MAS: Äußerlichkeit drei: Mit Frank Bornemann habt ihr eine echte Größe als Produzenten gewonnen. Wie kam es dazu?

Philippe: Ganz einfach: Unser 66-jähriger Manager hatte den 68-jährigen Frank getroffen und sie waren sich gleich sympathisch und er hat ihm von uns erzählt. Dann sind wir nach Hannover gefahren und Frank war sofort von unserer Musik begeistert. Alles andere kam dann zwangsläufig.

MAS: Gibt es bei Euch Nähen zu Bornemanns Band Eloy?

Philippe: Nein, überhaupt nicht! Wir sind von der Instrumentation und auch vom Stil was ganz anderes. Wir wollen auch keine Kopie von irgendetwas sein, sondern was ganz eigenes machen.

MAS: Rein optisch stach bei den Fotos zur Promotion von `Bartok's Crisis´ immer wieder Eure Geigerin Katharina Strobel ins Auge. Und ihre Geige war auch akustisch eines der dominierenden Elemente. Sie ist nicht mehr dabei und wurde durch Agatha Sörgel, die zu den Gastmusikern auf dem Debüt gehörte, ersetzt. Habt Ihr das im Gefüge von Eclipse Sol-Air als Auswechslung einer Frontfrau empfunden?


Philippe: Unsere erste Geigerin Kathi ist Anfang 2011 ausgestiegen und wir haben die mehrfach preisgekrönte Geigenvirtuosin Agatha als Bandmitglied gewinnen können, die schon bei Bartok‘s Crisis mitgewirkt hat. Sie ist auch schon auf den Promo-Fotos von Bartok‘s Crisis drauf und nicht Kathi. Da Agatha viele der Texte von Schizophilia geschrieben hat und auch auf der Bühne eine ganz besondere Ausstrahlung hat, war sie neben den beiden Fronts (Mireille und ich) für uns eine ganz besonderer Glücksfall. Leider hat sie andere Lebensziele, und sie hat uns nach dem Studioaufenthalt in Hannover verlassen. Wir haben seit November 2012 die serbische Violinistin Maja Stevanovic, die unsere Internationalität weiter verbreitert. Sie ist auch schon auf den Promo-Fotos von Schizophilia drauf.

MAS: Ich höre auf `Schizophilia´ immer wieder deutliche Anklänge an Jethro Tull. Ist das gewollt?

Philippe: Nein, das sehen wir nicht so. Nicht jede Band, die eine Querflöte dabei hat, wie zum Beispiel auch Peter Gabriel bei Genesis, ist dann gleich Jethro Tull. Und unsere charmante Französin Mireille unterscheidet sich doch nun wirklich total von Ian Anderson, oder siehst Du Ähnlichkeiten?

Von Bartok zu Dali – das neue Artwork

MAS: Bei `Bartok's Crisis´ stand ein berühmter Komponist auf dem Cover. Dieses Mal scheint ein Maler seine Spuren hinterlassen zu haben. Wie wichtig war Dali für das Artwork?

Philippe: Leider wurde Anna Kotarska, die Malerin des Art-Covers von Bartok‘s Crisis mit 27 von einem betrunkenen Autofahrer in Berlin totgefahren. Den Song „Watch over you“ haben wir für unsere Freundin Anna geschrieben und wollten auch das neue Album ihr posthum widmen. Da der Albumtitel deshalb anstatt `Schizophilia´ ursprünglich auch `Watch over you´ heißen sollte, und wir ein Cover haben wollten, das die Vergänglichkeit des Lebens und wie bei Dali der Zeit darstellt, haben wir die sehr talentierte Kunststudentin Josefa Schundau gewonnen, die dieses Cover nach meinen surrealistischen Vorstellungen großartig gemalt hat.

MAS: Schizophrenie bezeichnet eine Bewusstseinsspaltung. Philia steht für Freundschaft. Was soll ein dermaßen zusammen gesetzter CD-Titel aussagen?

Philippe: Unser Konzept hinter dem Album ist Geburt, Leben, Liebe und Tod. Und zum Leben gehören Freundschaft, Liebe und Schizophrenie-ähnliche Zustände dazu. Das wird auch in den Texten deutlich.


MAS: Fragen zur Bedeutung der Texte hast Du schon im Interview zu `Bartok's Crisis´ abgeblockt. Wenn ich mir ansehe, wie die Texte dieses Mal aussehen, nehme ich nicht an, dass Du dieses Mal auskunftsfreudiger sein wirst. Mir scheint es im Wesentlichen um Identitätsfragen, um Sinnsuche und –verlust zu gehen. Kannst Du zumindest das bestätigen?

Philippe: Doch, deine Vermutung kann ich im Wesentlichen bestätigen. Die Texte haben wir in dem Booklet zum Album vollständig abgedruckt, damit jeder sich ein Bild machen kann, was hinter den Texten steht, und sie für sich selbst interpretieren kann

MAS: Das Bildmaterial, das Ihr mit zum letzten Interview zugesandt habt, hat mich nicht schlecht überrascht. Insbesondere die Bilder von Dir mit Fliegerbrille und Arztkittel sahen dermaßen nach Comedy aus. Wie passt das zu einer Band Eures Ansatzes?

Philippe: Wir versuchen bei unseren Live-Konzerten nicht nur musikalisch, sondern auch optisch zu begeistern. Da ich ja Schauspiel und Pantomime gelernt habe, versuchen wir natürlich die Songs auch optisch zu präsentieren. Zum Beispiel bei „Asylum“ spiele ich einen Verrückten in Zwangsjacke. Bei anderen Songs wird Fritz bei seinem Solo von mir pantomimisch in einen virtuellen Glaskasten gesteckt und ich spiele ganz realistisch einen alten gebrechlichen Mann. Selbst Frank Bornemann war „total geflasht“, nachdem er uns im Olympiaturm München live erlebt hatte. Er meinte sogar, dass man die ganze Qualität der Band erst bei einem Live-Auftritt erkennen kann. Ein tolles Lob für unsere Show.

MAS: Auf Eurer Homepage sind für die Zukunft exakt zwei Termine angegeben. Wollt Ihr nicht touren, um das neue Album zu promoten?
Auch optisch geht es bei Eclipse Sol-Air bunt zu.

Philippe: Doch, wollen wir. Aber da Mireille im Januar ihr zweites Kind bekommen hat, planen wir familienfreundlich erst im Herbst/Winter 2013/2014 eine Tour. Denn ohne unsere Querflötistin und begnadete Sängerin Mireille sind wir zwar schon mehrmals aufgetreten, aber sie kann von niemandem wirklich 100%ig ersetzt werden. Die Termine stehen noch nicht ganz fest, deshalb veröffentlichen wir sie noch nicht.

MAS: Was ist sonst in der Zukunft von Euch zu erwarten?

Philippe: Das wissen wir selbst nicht. Unser Mäzen und international erfahrener Manager hat viel mit uns vor, verrät es aber auch uns nicht, sondern ist dabei, internationale Kontakte zu knüpfen und die Großen des Musikbizz kennenzulernen und für uns zu begeistern. Er sagt immer, wir seien für tolle, ungewöhnliche Musik zuständig, die uns von der Masse der Bands unterscheidet und er für unsere Karriere. Und es wird auch erst gegackert, wenn das Ei gelegt ist.

Diskografie

Bartok’s Crisis (2011)
Schizophilia (2013)
MAS: Herzlichen Dank für die Antworten!

Norbert von Fransecky


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