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Artikel

Uli Jon Roth zelebriert "40th Anniversary of the Scorpions"

Info

Künstler: Uli John Roth

Zeit: 22.05.2013

Ort: Augsburg - Spectrum

Internet:
http://www.ulijonroth.com

Durch Zufall habe ich entdeckt, dass der ehemalige Scorpions-Gitarrist Uli Jon Roth ins Augsburger Spectrum einen Abstecher macht. Das Motto der Tour ist der 40ste Jahrestag, an dem er bei den Scorpions eingestiegen ist. Auf der Homepage war zu lesen, dass er deshalb viele Songs aus dieser Phase spielt - und einige Songs aus seinen Soloalben. Da ich ein großer Fan der Scorpions-Alben aus der „Roth-Phase“ bin, war es für mich ein Muss, zu dem Konzert zu gehen. Es ist im Spektrum nicht so viel los wie sonst, aber für die doch recht karge Werbung sogar noch recht gut besucht. Ich schätze, dass sich ca. 200 Fans eingefunden haben.

Uli Jon Roth und seine Band legen um 20.45 Uhr los und steigen gleich mit dem von dem Tokyo Tapes-Livealbum der Scorpions bekannten „All Night Long“ ein. Der Sound ist klar, aber brachial laut. Vor der Bühne ist es fast nicht auszuhalten. Uli Jon Roth hat seine legendäre Sky-Gitarre im Anschlag und lässt sie nach bester Jimi Hendrix-Manier röhren. Seine Begleitband ist ohne Zweifel traumhaft gut besetzt. Mir ist keiner der anwesenden Musiker bekannt, aber die haben’s wirklich drauf. Der Schlagzeuger aus England singt die Songs teilweise auswendig mit, der Bassist ist ein absolutes Ausnahmetalent und der zweite Gitarrist ist lediglich die Aushilfe und hat die Songs noch nie zuvor live gespielt!

Es ist der Hammer, Uli und den „Aushilfsgitarristen“ aus Hamburg beim Spielen zu beobachten. Die zwei verstehen sich blind und es ist geradezu erschreckend, mit welcher traumwandlerischen Sicherheit sich die beiden die Gitarrenläufe zuspielen. Die Band ist international besetzt, der Sänger kommt aus Italien. Er ist das einzige Manko in der Besetzung. Laut Mr. Roth ist er erkältet und das hört man dem Gesang natürlich an. Er gibt trotzdem alles, was ihm vor allem in den mittleren Lagen erhebliche Schmerzen verursachen muss. Diese Schmerzen übertragen sich auf die Ohren der Fans, denn was er da abliefert, hört sich wirklich nicht gut an. Ich lasse mir wie die meisten den Spaß trotzdem nicht verderben und genieße die wohl einmalige Gelegenheit, die Uralt-Klassiker live zu hören.

Uli Jon Roth erzählt zu manchen Songs ein paar Details und Hintergrundgeschichten. Mir war zum Beispiel nicht bekannt, dass es bei „The Sails Of Charon“ um eine Art Darth Vader-Geschichte geht. Und dass der Text vom unsterblichen „We’ll Burn The Sky“ von keiner geringeren als Monika Dannemann, der ehemaligen Verlobten von Jimi Hendrix und seiner früheren Lebensgefährtin ist, wusste ich auch nicht. Man merkt auch gerade bei „We’ll Burn The Sky“ oder „In Trance“, dass sich hier die Songwriter-Interessen innerhalb der Band auseinanderentwickelt haben. Klaus Meine und Rudolf Schenker, die beide Songs komponiert haben, tendierten eher zu geradlinigem Hardrock, während Roth seine Hendrix-Einflüsse mehr betonte. Dass diese Entwicklung letztendlich zur Trennung führen musste, war im Nachhinein klar. Sehr cool finde ich, dass Uli Jon Roth auch Songs selber singt. „Fly To The Rainbow“ gerät zum absoluten Magnum Opus, bei dem er wirklich in anderen Sphären zu schweben scheint. „Polar Nights“ kommt mindestens genau so wuchtig wie auf dem legendären Tokyo Tapes rüber und walzt nahezu alles platt. Auch hier ist Mr. Roth mit absoluter Leidenschaft dabei. Das sieht man, das hört man und das kommt sehr glaubwürdig rüber. Hier werden nicht schnell ein paar Euros durch lieblos herunter gerotzte Lieder verdient. Es ist ihm wirklich ein Anliegen, die Lieder live zu spielen und es macht ihm sichtlich Spaß.

Nach zwei Stunden und dem unnachahmlichen „Dark Lady“ ist der reguläre Teil des Konzerts beendet. Ich rechne nicht mit einer Zugabe, aber das Publikum will noch mehr und Uli Jon Roth hat heute offenbar die Spendierhosen an. Ein Fan wünscht sich den Song „Catch Your Train“ und Uli meint darauf nur trocken, dass er aufpassen soll, dass er „seinen letzten Zug nicht verpasst“. Gespielt wird der Song natürlich trotzdem. Bei den letzten beiden Songs kann sich Uli seine Verehrung für Jimi Hendrix nicht verkneifen und liefert mit „All Along The Watchtower“ und „Little Wing“ zwei Klassiker ab, die es wirklich in sich haben. Hier wird nach Herzenslust improvisiert und jeder in der Band bekommt Zeit für einen kleinen, aber feinen Solopart.

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden verabschieden sich die Musiker unter riesigem Applaus des Augsburger Publikums. Bis auf die Probleme des Sängers, die diesem wirklich sehr leid tun, war das Konzert große Klasse. Uli Jon Roth war in Bestform und seine Begleitmusiker bis in die Haarspitzen motiviert. Beim Verlassen der Bühne lädt Uli die Fans ein, mit ihm am Merchandising-Stand ein Bierchen zu trinken oder sich Autogramme abzuholen. Keine fünf Minuten nach dem Konzert kommt er dann auch. Er schreibt Autogramme, unterhält sich mit den Fans, macht Fotos und entpuppt sich als zurückhaltender, aber überaus sympathischer Zeitgenosse ohne jegliche Starallüren.

Fazit: Ein einmaliger Abend, der vermutlich in dieser Form nicht wieder zu erleben ist. Für alle Fans des alten Scorpions-Backkatalogs ist diese Tour wirklich ein absolutes Muss!


Setlist:
All Night Long
Longing for Fire
Crying Days
They Need a Million
The Sails of Charon
Yellow Raven
Evening Wind
We'll Burn the Sky
In Trance
Sun in My Hand
Fly To The Rainbow
Dark Lady
Polar Nights
Pictured Life
Catch Your Train
I’ve Got To Be Free
All Along the Watchtower
Little Wing

Stefan Graßl


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